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Hegemonie & Propaganda versus Solidarität. Der Kapitalismus siegt? Bericht von der DGPuK Fachgruppentagung PR/Organisationskommunikation (OK)


Es drehte sich alles um Hegemonie und Propaganda, in mehr oder weniger bewusster und professioneller Form. Das solidarische Streben nach dem Erhalt der Welt für die nachkommenden Generationen kam zu Wort. Die Nachhaltigkeit musste sich jedoch im Kontext "des Politischen der Kommunikation und des Kommunikativen in der Politik" auf der DGPuK Fachgruppentagung PR/OK eher geschlagen geben - in Anbetracht des dominanten Strebens nach Macht und einem nackten Kapitalismus.

Nein, ich meine nicht, dass das die Thesen der Fachgruppe sind - es waren die Themen der Konferenz, die unbestreitbar unseren politischen Alltag im Großen und Ganzen dominieren: Trump, Musk, Zuckerberg, Putin, die AFD - und dagegen Kommunikationsmanager, die nicht wissen, warum sie innenpolitisch aktiv sein sollten.

Es war hochinteressant, eine wertfreie Erklärung für Musks dominantes Verhalten im Umgang mit Twitter zu hören, die auf der Ideologie der Frau Ayn Rand basiert. Auch wenn es fast schmerzhaft ist, sich mit Despoten und Despotinnen zu befassen, so haben auch sie eine Logik, die verstanden werden sollte, damit sie gesehen wird. Die kritische Auseinandersetzung mit Big Tech Unternehmen und den Möglichkeiten und Grenzen ihrer Regulierung regte zum Nachdenken an. Es wirkte bedrohlich, diese rein kapitalistisch agierenden Akteure zu betrachten, die nur nach dem Recht des Stärkeren streben und keine Solidarität für Schwächere haben. 

Die Rolle der Kommunikation in diesem hartherzigen Umfeld wird durch Framing, Lobbying und bewusste Rhetorik geprägt. Sie findet integriert statt, auf allen Ebenen der Ideen-, Mikro- und Realpolitik. "If you don't sit at the table, you will be on the menu", so die bittere Erkenntnis der interviewten Kommunikationsmanager. Dabei darf der "glückliche Zufall" (Serenpidity) beim Einsatz rhetorischer Mittel genutzt werden - es gebe nämlich keine Gesetzmäßigkeiten in politischer Lobbyarbeit. Kommunikation findet spontan und kreativ statt - nichts von wegen strategisches Kommunikationsmanagement. Erstaunlich, dass sich diese Forderungen seit über 20 Jahren nicht in die Realität der Praxis übertragen haben. 

Ethik und Moral spielen kaum eine Rolle in der politischen Kommunikation, z. B.  in der Reaktion von durch russische Firmen gesponserte Sportorganisationen. Entscheidungen werden nach wirtschaftlichen, politischen und sportlichen Kriterien gefällt. Influencer kommen im politischen Kontext zum Einsatz und werden genau auf ihre Positionen und ihren Background gescheckt. Auch Mitarbeitende werden als relevante Stakeholder zur Kongruenz von Unternehmenshandeln und -kommunikation befragt: das "Walking und Talking" soll übereinstimmen, sonst droht der Greenwashing-Vorwurf. Diesen nachzuweisen ist jedoch oft schwer, da wirkliches Engagement von Unternehmen nicht immer objektiv zu messen ist. Dafür ist eher investigativer Journalismus notwendig, als das Lesen des unternehmenseigenen Nachhaltigkeitsberichtes.

Nachhaltigkeit findet im politischen Kontext statt - jedoch eher unspektakulär. Soziales und Solidarität kamen im Rahmen des Forschungen zur politischen Kommunikation nicht zur Sprache.

Ist politische Kommunikation also geprägt von Herrschaft und Propaganda? 

Ein bitterer Nachgeschmack der Konferenz, die doch so sozial kommunikativ war und geprägt vom  lebhaften, offenen Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. 65% der Teilnehmenden waren weiblich. Keine Überraschung bei Studiengängen , die teils 80% und mehr weiblich dominiert sind. Die Altersstruktur der Teilnehmenden sah zukunftsorientiert aus, ca. 30% waren unter 30 Jahren, viele darunter promovierend.  Der Fachbereich PR und Öffentlichkeitsarbeit wächst und gedeiht. Umso toller, auf dem Get Together  vorab das "Urgestein" bzw. den Urvater der PR in Deutschland, Prof. emeritus Günter Bentele getroffen zu haben. Es ist bemerkenswert, wie die Profession PR sich in den letzten zwanzig Jahren wissenschaftlich profiliert hat, nicht zuletzt dank ihm.

KI war kein explizites Thema auf der Konferenz - sie wird zu Forschungszwecken genutzt, scheint jedoch selbst noch nicht im politischen, kommunikativen Kontext untersucht zu werden. Die geschlossenen API-Schnittstellen der sozialen Netzwerke gestalten repräsentative Stichproben schwer - angebotene Analytics-Daten sind letztlich immer intransparent und nur bedingt zu nutzen. 

Klassische Theorien und Modelle bieten dann oft interessantere Denkanstöße und taugen zeitlos für analytische Betrachtungen - so dass auch ein Edward Bernays mit seinem Propagandaansatz weiterlebt und uns immer noch erklärt, warum Influencer einen Einfluss haben, warum Kommunikation integriert sein sollte und warum Rhetorik zielführend und effektiv eingesetzt werden kann.

DATA SCIENCE - das Yin und Yang der Analyse

 Bildquelle: https://www.pressesprecher.com/nachrichten/kommunikations-controlling-und-evaluation-das-yin-und-yang-der-pr-8475 (c) thinkstock/slovegrove

DATA SCIENCE ist das neue Schlagwort, mit dem auch ich nun wieder an vorderster Front für den Einsatz von intelligenter Analyse kämpfe. Und es umschreibt die Anforderungen soo treffend: Es geht um valide Daten, die reliabel bewertet werden. Wissenschaftliche Gütekriterien lassen grüßen. 

DATA können große oder kleine Datenmengen sein. SCIENCE ist das Expertenwissen, mit dem diese Daten ausgewählt, bewertet und interpretiert werden. Es geht also nicht nur um Big Data, um riesige Mengen digitaler Zugriffsdaten, sondern auch um z. B. feine Stichprobendaten, die qualitativ sehr viele Insights bieten - erst recht in Verbindung mit dem passenden Expertenwissen. Dies Expertenwissen besteht aus Wissen über das Unternehmen und seine Ziele, Stakeholder, Themen, die Branche sowie gesellschaftlichen Trends.

Gerade in Zeiten, in denen wir zunehmend von sämtlichen sozialen Netzwerkdaten ausgeschlossen werden (so Florian Laszlo so erfrischend ehrlich beim Social Media Summit, ab Minute 23), ist die bewusste Auswahl von verfügbaren Daten wichtig. Welche Zahlen und welche Informationen werden erhoben? Daten können auch qualitativ erhoben werden, d. h. inhaltlich oder beschreibend: 

Eine qualitative Analyse z. B. von Videos und Bildern in Instagram Reels oder auf TikTok bietet in Verbindung mit den Likes und einer genauen Betrachtung derer, die Liken, einen erheblichen Mehrwert: Ich erfahre, welche Gestaltungsmerkmale gefallen und ich bekomme Insights über meine "Freunde", meine Zielgruppe. Im Vergleich mit Wettbewerbern ist eine fundierte Bewertung möglich: Was haben wir erreicht? Wo stehen wir im kommunikativen Wettbewerb? 

Eine solche Analyse erzeugt zwar mehr Aufwand als die Analyse digitaler Downloads (wobei diese nur sehr eingeschränkt verfügbar sind) - die Ergebnisse bieten jedoch direkte Hinweise, wie die Kommunikation in Zukunft zu optimieren ist. Dasselbe gilt für TikTok oder Clubhouse: Je weniger Informationen vom Netzbetreiber verfügbar gemacht werden, umso mehr sind wir darauf angewiesen, intelligente Analysekonzepte mit sinnvoll ausgewählten, selbst erhobenen Daten anzuwenden.  SCIENCE halt :-)

Die Digitalisierung bietet eine Flut von Daten. Teilweise sind diese abrufbar, z. B. durch die API von Twitter. Automatisch generierte Daten sind immer mit Verstand zu benutzen: Nicht nur Fakes verwässern das Ergebnis. Die Algorithmen der Netzwerke - die neuen Gatekeeper -  steuern die Anzahl der Aufrufe selbsttätig. Die Kennzahl Impressions kann streng genommen nur bedingt als "Erfolgsindikator" dienen. So wird die "For you-Seite" von TikTok kaum bei zwei Usern identisch sein. Auch die Engagement Rate (ER) ist mit Vorsicht zu genießen, da im Standard nicht zwischen positiven und negativen Kommentaren unterschieden wird. Die ER ist also im Zweifel auch ein Indikator für den Level des Shitstorms.

Natürlich möchte ich nicht alle Kennzahlen verteufeln. Der Werbeqäuivalenzwert wurde auf AMEC Summit anno 2010 auf die "schwarze Liste der PR-Evaluation" gesetzt - ich war selbst dabei und habe für die allerersten Barcelona Prinicples mit abgestimmt. Der Werbeqäuivalenzwert ist ein Behelfswert für die Wertberechnung von kommunikativen Erfolgen. Er hat große Haken und Ösen, und wird trotzdem immer noch in der Praxis eingesetzt - schlicht, weil er handlich ist. Und sicherlich - sofern kontinuierlich hergeleitet - einen Hinweis auf die Entwicklung der Medienresonanz darstellt.

Also dürfen Kennzahlen unperfekt sein - siehe die vielkritisierte Corona-Inzidenz, die vielfach als unzureichend bezeichnet wird - und trotzdem wenigstens einen Hinweis auf die Entwicklung gibt. Es ist nur wichtig, dass für die Gesamtbeurteilung der Lage noch wesentlich mehr Faktoren hinzugezogen werden. Expertenwissen - SCIENCE.

DATA SCIENCE ist ein gutes Schlagwort, das die zwei wichtigsten Faktoren bei der Bewertung komplexer Zusammenhänge auf den Punkt bringt: Das Eine ist nichts wert ohne das Andere - womit ich mal wieder beim YIN und YANG bin. Und dafür stehe ich gerne ein, nach dieser Verbindung zu streben und sie zu generieren - als Director Analytics bei Ketchum Deutschland. 

Und ich freue mich über herausfordernde Anfragen, gern über LinkedIn!



P.S. Nur, damit ich die Unternehmensziele und die Wertschöpfung auch erwähnt habe: Die Verknüpfung der Kommunikationserfolge mit den Unternehmenszielen ist in der PR-Planung zu knüpfen. Die  Werttreiberkette für eine (im Vergleich zum Wettbewerber) erfolgreichen Insta Reels-Kampagne sieht folgendermaßen aus: Positive Resonanz auf kommunizierte Markenwerte erzeugt Stärkung der Markenbindung, Markenbindung stärkt die Bereitschaft, Produkte zu bevorzugen - Kosten für das Marketing sinken - Umsatz & Gewinn steigen.

PR-Tools: Echobot


Echobot bietet einen Clippingservice für Print-, Online-Medien und Social Media Resonanz in einem Tool. Das webbasierte Tool ist von jedem Rechner aus zugänglich und ist kinderleicht zu bedienen. Die spontane Suche ermöglicht schnelle Recherchen, das Anlegen von beliebig komplexen Suchprofilen ist ebenfalls zügig erledigt - zumal ein Berater zur Ersteinrichtung und eventuellen Nachfragen zur Verfügung steht. Basis bilden ca. 60 Tausend Onlinemedien, ca. sechs Millionen Social Media Kommentare, sowie Printclippings von - zugegeben etwas mageren - 110 Tages- und Wochenzeitungen. Ergebnisse können per Email zugeschickt werden. Dabei gibt es auch die Einstellung eines Krisenwarnsystems, das sofort eine Email verschickt, wenn die Resonanz innerhalb eines kürzesten Zeitraumes in die Höhe schnellt.

Eine Visualisierung und erste Analyse der Ergebnisse liefern die unterschiedlichen "Ansichten" in den Suchergebnissen. Dort werden automatische Grafiken erstellt. Es ist auch möglich, den Clippings und Postings eine Wertung zuzuweisen, die mit ausgewertet wird.



Spaß macht die Downloadmöglichkeit als pdf, Excel oder csv-Dateien. Die Datenbank der Onlinemedien liefert folgende Daten:
  • Headline
  • Snippet (die ersten 140 Zeichen des Textes)
  • Clipping-Link
  • Datum
  • Quelle/Benutzer
  • Typ
  • Land
  • Visits der Quelle
  • Leser des Artikels (ca.)
  • Anzahl Artikel pro Monat

Social Media Resonanz lädt mit diesen Angaben herunter:
  • Headline            
  • Snippet (die ersten 140 Zeichen des Textes)
  • Clipping-Link     
  • Datum  Sprache              
  • Quelle/Benutzer            
  • Typ       
  • Followers/Friends
Die weitere Analyse kann schnell mit Hilfe von Excel geschehen, im besten Fall, indem man zusätzliche Angaben rausfiltert oder noch nachrecherchiert. So können z. B. mit Hilfe von Wortwolken Themen im Onlinebereich kategorisiert werden. Social Media Resonanz kann nach Retweets durchsucht werden, oder es werden für jede Platform ("Typ"= Facebook, Instagram, Twitter, Youtube, Google+ und Pintererst) die wichtigsten Influencer identifiziert.

Eine Bilderanalyse ist mit dem Download nicht möglich, da die Bilder aus urheberrechtlichen Gründen nicht mit heruntergeladen werden können. Solche Analysen müssen dann direkt von den Suchergebnissen aus durchgeführt werden.

Für "Allerwelts-Produkt- oder Unternehmensnamen" bietet sich die komplex programmierte Expertensuche an, mit der auch Boolesche Faktoren eingesetzt werden können. So wird sichergestellt, dass nicht zu viele irrelevante Meldungen geliefert werden. Obgleich die Menge der Meldungen für den Preis des Monitorings keine Rolle spielt, da das Bezahlmodell auf Flatrates basiert. Diese variieren nach Anzahl der möglichen Email-Alerts, Anzahl der Downloads und Möglichkeiten der erweiterten Suche. Eine Basis-Flat ist ab 299 Euro im Monat verfügbar. Sie bietet allerdings nur 100 Artikel oder Postings im Download. Für 499 Euro sind dann bereits 2.500 Downloads möglich - in Anbetracht des unter Umständen explodierend hohen Social Media Echos eine praktikablere Menge.



https://www.echobot.de/monitoring/

Ich durfte das Tool mit Studierenden der IBA Heidelberg und der Ostfalia Hochschule ausprobieren!

Social Media Analyse DO-IT-YOURSELF



Social Media bieten dankbare, direkte Usermeinungen und Reichweitenzahlen - auch wenn sie unrepräsentativ sind, da sie eine unkontrollierte Stichprobe Ihrer Stakeholder beleuchten. Die Resonanz ist jedoch zu großen Teilen öffentlich verfügbar und technisch einfach zu erheben - damit also kostengünstig zu evaluieren. Ein großer Mehrwert, da für die Evaluation selten Budgets eingeplant werden.
Natürlich liegt der wirkliche Mehrwert einer Social Media Analyse darin, aufzuzeigen, inwiefern die Social Media Resonanz einen Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens beigetragen hat. Dafür macht es Sinn, die Informationen einer Social Media Analyse zu Key Performance Indikatoren zu verdichten. Ein sehr guter Beitrag dazu findet sich z. B. auf https://blog.bloofusion.de/erfolgskontrolle-im-social-media-monitoring-was-sind-relevante-kpis. Im besten Falle hat man sich vorher bereits Gedanken zu Sinn und Zweck und Ausrichtung der Social Media Aktivität gemacht - dann ist eine Erfolgskontrolle im Nachhinein eine einfache Sache.

Für die erste Auswertung und Aufbereitung, wie über Ihr Unternehmen oder Ihr spezielles Themengebiet in den sozialen Netzwerken gesprochen wird, bietet eine kleine DO-IT-YOURSELF-Analyse interessante Anregungen, wie die Social Media Aktivität weiter gesteuert werden kann!

Es gibt kostenlose Downloadmöglichkeiten (z. B. bei https://tweetreach.com), die jedoch nur eine sehr begrenzte Anzahl an Ergebnissen liefern. Für Twitter gibt es das kostenlose Tool http://chorusanalytics.co.uk/downloads/ - es ist für die wissenschaftliche Nutzung gedacht, aber man kann es frei nutzen - wobei natürlich die Twitter-Kommunikation in Deutschland (noch) nicht sooo relevant ist wie Facebook). Aber auch von bezahlten Monitoringdiensten bietet der Download viele Möglichkeiten zur weiteren Bearbeitung.

Jedes Social Media Netzwerk hat eine eigene Begrifflichkeit und andere Modalitäten zum Kommentieren und Teilen. Daher sind nur Basiskennzahlen über verschiedene Netzwerke nutzbar.

Die Anzahl der Posts und die Reichweite sind die direkten zu verwertenden Daten:



Eine weitere Basisbetrachtung der Download-Daten ist die zeitliche Verteilung. Meist ist dafür eine neue Kategorie "Monat" oder "Woche" zu bilden, da die Zeitangaben im DD.MM.YY hh.ss Format geliefert werden. Mit der einfachen Funktion =MONAT(XX) erstellt Excel eine Monatszahl, die in sich einer Pivottabelle und dazugehörigem Liniendiagramm schnell in eine Trenddarstellung verwandeln lässt.


Die zweite Basisauswertung wäre die Darstellung der User, die sich geäußert haben, bzw. der Sender der Posts. Top User können Sie mit Hilfe von automatischen "Einfluss"-Scores näher beleuchten, wie z.B. https://klout.com/corp/score oder der Netzwerkanalyse auf http://mentionmapp.com. Interessant ist  auch die Unterscheidung in "Intern" und "Extern" - welche Posts kamen von unserer Organisation, welche User erwähnten uns von sich aus - mit Hilfe von Excel schnell als Extraspalte ausgewiesen und mit Hilfe einer Pivottabelle analysiert.

Wichtige Aspekte der Social Media Resonanz sind @Verweise auf andere Accounts, http-Links, #Hashtags, Emojiis sowie RT-Retweets (bei Twitter). Mit Hilfe des Filters sucht Excel nach diesen Zeichen und ermöglicht die Erweiterung der Datenbank um eine Spalte mit dem jeweiligen Zeichen,  z.B. Hashtags, Retweets, Links oder Verweise.

Einen allgemeinen Eindruck des Social Media "Buzz" kann eine Wortwolke bieten, die von den Headlines oder den Inhalten der Posts erstellt wird (kostenlos unter www.wortwolken.com). Auf der Basis einer Wortwolke und deren Häufigkeitstabelle kann die Analyse inhaltlich weiter inspiriert werden: Woher stammen die Topbegriffe? Welche Zusammenhänge verbinden sie? Die qualitative Inhaltsanalyse weist den Weg in die Tiefe der Zusammenhänge.


Die inhaltliche Analyse stellt wesentlich mehr Informationen zur Verfügung als die reine Reichweitenanalyse - auch wenn sie zunächst etwas mehr Arbeit macht. Eine Bilderanalyse ist z. B. ein weiterer Aspekt, der gerade auf Bildernetzwerken wie Instagram und Pinterest eine wertvolle Vorgehensweise darstellt. Zum Thema Bildanalyse gibt es einen sehr guten Beitrag auf  https://medienresonanzanalyse.wordpress.com/2013/02/27/abbild-und-denkbild-methoden-wissenschaftlicher-bildforschung. Die Standardisierung der Bildanalyse für den PR-Bereich stellt sicherlich ein interessantes Feld der zukünftigen Evaluationsforschung dar.

Nutzen Sie die technischen Möglichkeiten und evaluieren Sie mit Bordmitteln! Damit Sie zeigen können, was Sie in den sozialen Netzwerken bewegen!

Social Media Analyse #smmStandards

Zur Analyse von Social Media Resonanz sollten einheitliche Standards genutzt werden, um die Ergebnisse transparent und vergleichbar zu machen. Dieses Ziel strebt die #smmStandards –Initiative von Katie Paine und Tim Marklein an. Sie stellten auf dem 4. AMEC European Measurement Summit in Dublin folgende Kriterien für die Erfassung und Analysevon Social Media vor:

o   Direkter quantitativer Effekt/Reach & Impressions: Reichweite, Abrufe
o   Beziehung zum Nutzer hergestellt: Engagement
o   Nutzer im Denken und/oder Handeln beeinflusst (Influence & Relevance)
o   Positive Meinung erzeugt (Opinion & Advocacy)
o   Nachhaltige Wirkung (Veränderung in individueller Einstellung oder kollektivem Reputationsempfinden) und/oder monetäre Wertschöpfung erzeugt (Impact & Value)

Diese Kriterien stellen eigentlich keine Neuheit dar. Wenn man genau schaut, erkennt man die klassischen Wirkungsstufen von Kommunikation wieder, wie sie schon von Grunig und Hunt, Lindenmann und anderen Pionieren der PR-Evaluation formuliert wurden:



Den Wirkungsstufen vorangestellt ist das wichtigste Kriterium jeglicher Analyse: die Qualität der Basisdaten. Jede Analyse kann nur so gut sein, wie die Daten, die ihr zugrunde liegen. Daher ist es der erste und wichtigste Schritt bei der Datenerhebung auf Standardisierung zu achten und transparent über das Auswahl- und Analyseverfahren zu informieren. Dafür stellten Marklein und Paine ein Qualitätsraster vor (Post vom 21.6.).
Die erste Wirkungsstufe von Social Media ist der direkt beobachtbare Effekt: die Anzahl der Nutzer, der Follower, Fans etc.. Es gibt eine Fülle von unterschiedlichen Fachbegriffen (Auflage, Reichweite, technische Reichweite, Häufigkeit, visits, visitors, followers, fans, views etc.). Der AMEC-Glossar hilft dabei, dass Kunden und Dienstleister dasselbe meinen.
Exakte und vollständige Angaben zu Reichweiten sind schwer zu beschaffen, erst recht, wenn es um weltweite Projekte geht. Bei der Angabe einer Reichweite sollte daher die Quelle der Daten angegeben werden, z.B. nur Reichweite eines Zeitraumes oder in einem Land.
Weiter weisen Marklein und Paine darauf hin, (eigentlich sollte es needless to say sein), dass Multiplikatoren bei der Berechnung von Reichweiten haltlos sind und nicht eingesetzt werden sollten.

Die zweite Wirkungsstufe geht einen Schritt weiter: Nicht die absolute Zahl der Aufrufe, sondern die Zahl derer, die aktiv wurden, wird als Engagement bezeichnet. Eine Beziehung ist hergestellt. Dabei kann es sich um spontane Reaktionen oder langfristige Veränderungen in Meinung, Einstellung oder Reputation handeln. Der Grad des Engagements kann klassifiziert werden nach "gering", "mittel" und "hoch", z.B. "likes", Retweets und Facebook "share".
Die dritte Wirkungsstufe für Social Media Resonanz geht wieder einen Schritt weiter: Nicht nur ein oberflächliches Engagement zählt, sondern der Einfluss, der auf das Individuum ausgeübt wurde. Nach Philip Sheldrakes Definition: "Einfluss ist, wenn ein Individuum etwas tut oder sagt, was es ohne unser Dazutun nicht getan hätte". Diese Veränderung muss nicht beobachtbar sein, sie kann auch nur im Kopf der Nutzer stattfinden. Daher ist für diese Wirkungsstufe bereits Meinungsforschung einzusetzen oder detaillierte Inhaltsanalysen der Postings durchzuführen.

Die nächste Wirkungsstufe umfasst die positive Meinung, die zum Objekt geschaffen werden soll (Unternehmen, Event o.Ä.). Sie kann gemessen werden, indem von Tweets oder Postings die Meinung erfasst wird (z.B. "Es ist ein gutes Produkt"), indem Empfehlungen dokumentiert werden ("Versuch doch dies mal!"), Emotionen aufgezeichnet werden oder beabsichtigtes Verhalten festgehalten wird. Dabei ist jeweils auf definierte Kodierung zu achten, d.h. es sollte Regeln mit Beispielen geben, die eine möglichst reliable und reproduzierbare Erfassung ermöglicht.

Das Fernziel der Erfassung und Bewertung von Social Media Beiträgen ist meist, einen bleibenden Eindruck bzw. eine nachweisbare Veränderung in der Denkweise und Einschätzung des Users zu belegen. Im besten Falle kann der Wirkung ein monetärer Wertschöpfungsbeitrag zugeordnet werden. Das könnte zum Beispiel sein, wenn eine Versicherung unzufriedene Kunden im Social Web identifiziert, mit ihnen den Kontakt sucht und sie daran hindert, ihren Vertrag zu kündigen. Ein solches Beispiel präsentierte Don Bartholomew von Ketchum in Dublin. Durch diese Social Media Aktion sparte das Unternehmen die Akquisekosten für einen neuen Kunden.
Bei der Ermittlung von monetärem Gegenwert kann es nützlich und relevant sein, nicht zu versuchen, Effekte in Gewinne umzurechnen, sondern vielmehr durch das Aufzeigen von vermiedenen oder reduzierten Kosten einen monetären Wertschöpfungsbeitrag zu beziffern.


Diese Kriterien sind das erste Ergebnis der "Cross-Industry Collaboration", in der PR-, Marketing-, Media- und Social Media-Verbände zusammen an Standards für das Social Media Monitoring arbeiten. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, ist herzlich eingeladen, das Geschehen unter #SMMStandards zu verfolgen und zu kommentieren.

Soziale Medien in Deutschland

Der "Social Media Trendmonitor 2012" von news aktuell und Faktenkontor stellt die neuesten Ergebnisse zum Thema Nutzung von sozialen Medien in Unternehmen, Agenturen und Redaktionen vor. Die interessantesten Ergebnisse möchte ich hier vorstellen. 
Gerade von der Konferenz der AMEC kommend bin ich frisch gebrieft worden von den Evaluationsexperten aus USA, dass das rein quantitative Zählen von Fans und Followern nicht ausreicht und keine wirklich nützlichen Informationen zur Steuerung der Kommunikation liefert. Das schlägt den deutschen Unternehmen den Waschlappen ins Gesicht: 52% der deutschen Unternehmen sehen das Zählen der Friends und Followern als ausreichenden Erfolgsnachweis für ihr Engagement in diesem Bereich, 40% zählen nur die Anzahl der Erwähnungen. (Basis: 79% geben an, Social Media beruflich zu nutzen.)
Das ist ja auch nicht ganz verkehrt als ersten Anhaltspunkt. Aber die reine Anzahl  sagt ja überhaupt nichts über die Inhalte aus. Man stelle sich vor, 50% der Meldungen sind pure Kritik an Unternehmenspolitik oder Produkten. Der arme Pressesprecher, der dies versucht hat, seinem Chef als Erfolg zu verkaufen....
Nur 39% nehmen die Tonalität, 37% Dialogintensität und 23% die Analyse der Quellen (Influencer) als Erfolgsindiz dazu. Das steht im krassen Gegensatz dazu, dass 57% der befragten Unternehmen das Engagement in den Social Media mit dem Ziel "Imagepflege zu betreiben" rechtfertigen. Wie wollen sie Imagepflege belegen, wenn sie nur die Tweets und Fans zählen?
43% der Unternehmen geben an, die Kundenbindung steigern zu wollen, wobei die Kunden und Journalisten die wichtigsten Akteure dabei seien. Was ist aber mit dem Ziel, dem Unternehmen Handlungsfreiheit zu verschaffen? Die Gruppierungen, aus deren Richtung die kritischen Bemerkungen kommen könnten: Anwohner, Bürgerinitiativen, NGOs, Gewerkschaften, Aktionäre?

Die Erwartungen an das Monitoring von Social Media sind groß. Auch wenn im Moment 60% nur kostenlose Tools nutzen, deren Reliabilität und Validität der Datenerhebung schwer zu kontrollieren sind. Trotzdem soll das Monitoring neue Themen aufdecken, den Markt und Wettbewerb beobachten und als Erfolgskontrolle dienen. Hoffentlich wird dabei bedacht, dass - ganz wie bei den Printclippings und der Medienresonanzanalyse - das Sammeln von Meldungen keine Evaluation darstellt, sondern halt nur ein Sammeln....

Erstaunlich, dass 43% der Unternehmen trotz dieser schwachen Erfolgskontrolle glauben, dass sich ihr Engagement in den sozialen Medien gelohnt hat. Aber der Glaube stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.... :-)

Bericht vom European Measurement Summit in Dublin 2012

Letzte Woche machte ich mich mal wieder auf den Weg, die internationale Gemeinde der PR-Evaluation und des Monitorings zu treffen. Die alljährliche internationale Konferenz der AMEC fand dies Jahr in Dublin statt. Ein Glück, dass man sowieso keine Zeit zum Vertrödeln hatte - es regnete standesgemäß fast die ganzen drei Tage! Nichtsdestotrotz waren es sehr anreichernde Tage.
Die ganze Konferenz stand unter dem Thema "Social Media Monitoring and Analysis". Es gab viele Fallbeispiele zu hören, es wurden zahlreiche Herangehensweisen an diese nutzergenerierten fremdgesteuerten Meinungsäußerungen präsentiert. Der erste Hype in Bezug auf Social Media scheint - vor allem in USA - vorbei zu sein. Eine Etablierung ist geschehen. Die Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung verändern die Unternehmenskommunikation grundlegend: Sie distribuiert nicht mehr Informationen, sondern muss ständig auf der Hut sein und reagieren. Die Masse an Meinungsäußerungen auf Twitter, Facebook und anderen Portalen ist riesig. Dabei ist das Spektrum ihrer Bedeutsamkeit sehr weit: von direkt image- oder reputationsschädigend über völlig inhaltsfrei und irrelevant bis hin zu positiv verstärkender Kommunikation von Unternehmensissues. Und bei der Flut von Meldungen gilt es, diese möglichst schnell zu kategorisieren, damit sich auf die relevanten Postings konzentriert werden kann. Diese wiederum bieten ganz neue Möglichkeiten, die Kommunikation zielgruppengerecht zu steuern, indem relevante Themen aufgegriffen und offen angesprochen werden. Wobei da natürlich auch sehr viel Kritikfähigkeit und Authentizität seitens der Unternehmen gefragt ist ....eine Eigenschaft, die ich noch nicht so richtig sehe...
Es gibt viele Facetten, die bei der Erfassung und Bewertung von Social Media Meldungen zu berücksichtigen sind. Es sind keine wirklich "neuen". Es gelten eigentlich dieselben Qualitätskriterien, die auch für andere inhaltliche Zielgruppen- und Medienresonanz gelten: die Auswahl und Kontinuität der Quellen, die definierte Auswahl der Basis, die standardisierte Erfassung und Bewertung. Für die Erarbeitung von Standards und Qualitätskriterien von Social Media Analysen haben Katie Paine und Tim Marklein eine "Cross-Industry Collaberation" ins Leben gerufen. Dort haben PR-Verbände zusammen mit anderen Kommunikationsverbänden aus dem Bereich Social Media, Werbung, Marketing, Media-Ratingagenturen und Unternehmensvertretern als Kunden gemeinsam ein Erfassungsraster entwickelt, mit dem qualitätsrelevante Faktoren für jedes Projekt festgehalten werden können - um einen ähnlichen "Stempel" zu haben wie bei der Nährwertampel auf Lebensmitteln.


Unter  http://smmstandards.org/  wird eine Website gelauncht, die den Austausch und die Weiterentwicklung von branchenübergreifenden Social Media Standards ermöglichen soll.
Katie Paine beweist sich mit dieser Aktion wieder einmal als absolute Vorreiterin der Branche und ebnet den Weg zu mehr Qualität in der PR-Evaluation.
Die Präsentationen stehen zum Download unter. http://ameceuropeansummit.org/presentations/

Es gab natürlich noch ganz viele weitere Facetten, die auf der Konferenz beleuchtet wurden.
Fortsetzung folgt!

Frohe neue Jahresplanung!

Mit dem Beginn des neuen Jahres kehren die Berufskommunikatoren aller Branchen wieder zurück an die Schreibtische und müssen sich überlegen, was sie dies Jahr für Maßnahmen umsetzen, welche Mittel sie dafür benötigen und wie sie ihre Ziele festlegen bzw. ihren Erfolg zu dokumentieren gedenken. Dies stellt sich oft gar nicht so einfach dar: Es gilt "realistische bzw. annehmbare Zielvereinbarungen" zu finden, "im Spektrum zwischen streng wissenschaftlich Machbaren und ggf. seltsamen oder utopischen Zielvorstellungen der Vorstandsebene". Eine Gratwanderung zwischen Relevanz, Praktikabilität und Überzeugungskaft, die fast wie die Suche nach dem heiligen Gral anmutet.
Aber es muss nicht unmöglich sein, die Qualität und Leistung Ihrer Arbeit zu dokumentieren und Ziele festzulegen. Starten Sie mit den Dingen, die Sie direkt steuern und die Sie im Sinne Ihres Auftrags für den Geschäftserfolg unternehmen:
Was leisten Sie? Welche Maßnahmen setzen Sie um? Was hätten diese Maßnahmen extern gekostet? "Opportunitätskostenrechnung" nennt Manfred Bruhn diesen Ansatz. In der Praxis bedeutet dies einfach, von einer externen Agentur ein Angebot einzuholen, was die Kommunikationsleistungen, die Ihre Abteilung letztes Jahr erbracht hat, (annähernd) gekostet hätten, wenn Sie sie eingekauft hätten. Dazu gehört auch die Leistung, eine geschäftliche schwierige Situation gut kommuniziert zu haben und eventuell schlimmere Auswirkungen verhindert zu haben - Agenturen lassen sich Krisenmanagement gut bezahlen - warum sollten Sie das nicht Ihrem Vorstand "in Rechnung stellen"? Ein großer Teil des Erfolgs Ihrer Arbeit sind die Produkte und Veranstaltungen, die Sie hervorgebracht haben. Natürlich wird den Vorstand viel mehr interessieren, was "hinten raus gekommen ist". Es ist aber auch schon ein Erfolgsbeweis, zu zeigen, welche Kosten man gespart hat!

Das Geschäft mit der Kommunikation wird durch Beziehungen bestimmt: Wie viele Beziehungen zu Stakeholdern haben Sie? In welcher Qualität?
Würden Sie z.B. dem Journalisten vertrauliche Informationen geben, in der Gewissheit, dass Sie sich auf seine Verlässlichkeit und Integrität verlassen können (Stufe 1)?
Oder trauen Sie ihrem Gegenüber zumindest zu, dass er oder sie Informationen richtig recherchiert und versteht und kommuniziert (Stufe 2)?
Oder ist es einfach nur die Kenntnis der Kontaktdaten, die diese Beziehung ausmacht (Stufe 3)?
Wie viele Stakeholderbeziehungen konnten Sie letztes Jahr in diesem dreistufigen Rating aufbauen bzw. erhalten? Setzen Sie sich auf dieser Basis ein realistisches Ziel für das nächste Jahr!

Natürlich spielt die Medienresonanz eine große Rolle bei der Erfolgskontrolle von Kommunikation. Für eine Zielvereinbarung taugt allerdings nicht die absolute Zahl von Artikeln oder die Reichweiten - zu schnell kann es passieren, dass die Medien über Ihr Unternehmen in Zusammenhang mit unbeeinflussbaren Geschehnissen berichten, für die und gegen die Sie nichts ausrichten können (z.B. Übernahmegerüchte). Dann explodieren auf einmal die Artikelzahlen ohne dass Sie als Kommunikator etwas dafür können. Gleichzeitig wird im Zweifel der Inhalt dieser Berichte nicht unbedingt ihren Kommunikationszielen entsprechen. Für Zielvereinbarungen mit Hilfe von Medienresonanzkennzahlen eignen sich also nur wirklich steuerbare Indikatoren. Diese variieren von Branche zu Branche.
Vorsicht ist gegenüber dem Werbeäquivalenzwert angebracht. Seine Aussageskraft ist sehr umstritten und eigentlich taugt er lediglich als interner Vergleichsmaßstab bei Zeitvergleichen. Beeindruckender können Tausendkontaktpreise (TKP) sein, bei denen angegeben wird, wie viel es gekostet hat, eine Auflage von 1.000 zu erreichen. Der TKP ist eine Kennzahl des Marketings. Im PR-Bereich wird dieser Wert meist unter den Werbekosten liegen - ein Hinweis auf weiteres Cost Saving Potential durch gute Kommunikation!

Unterstützend für den Nachweis von Image und Einstellung der Stakeholder ist ein kontinuierliches Social Media Monitoring sinnvoll: Noch nie waren Meinungen von Stakeholdern kostenlos und so einfach zu erfahren! Ein Twilert liefert Ihnen täglich die Twitter-Kommentare zu Ihrem relevanten Suchbegriff. Kopieren Sie die Kommentare zusammen und erstellen eine Wortwolke (wordle.net) - eine erste kleine Analyse Ihrer Imagetreíber. Wenn Sie wissen, welche Reputations- oder Imagefaktoren für Sie relevant sind, dann analysieren Sie Ihre Internetresonanz danach (sie liegt Ihnen ja meist eh schon digital vor).
Machen Sie dasselbe für einen Mitbewerber und stellen Sie die Egebnisse nebeneinander. Wenn Sie das regelmäßig durchführen, können Sie sich vielleicht noch besser positionieren und dies dann auch gegenüber dem Chef belegen.
Suchen Sie nach "Social Media Monitoring" auf Twitter und Sie erhalten zahlreiche Tipps und Hinweise, wie man wo am einfachsten Daten bekommt und wie erste Auswertungen erstellt werden können. Solche Angebote wie z.B. Socialmention.com entstehen im Moment an jeder "Web 2.0-Straßenecke".

Auch wenn Ihr Chef ein zahlenorientierter Mensch ist: Vergessen Sie nicht, die Inhalte und Qualität Ihrer Arbeit und Ihrer Beziehungsarbeit darzustellen. Immer im Gedanken behalten, dass die wertvollsten Eigenschaften nicht monetär bezifferbar sind!

Ich schreibe gerade an dem Praktikerhandbuch "Evaluation und Controlling von Public Relations. Kommunikation optimieren und steuern.". Es wird ein Praktikerhandbuch, das sehr viele Tipps und Hiweise, Links und Quellen enthalten wird. Es wird im Laufe des Jahres erscheinen.

P.S. Ja, ich gebe zu: Dieser Artikel ist ein Aufguss eines Beitrages vom vorletzen Sommer. Aber wie Sie sehen, das Thema ist immer da und die Hinweise veralten so schnell nicht. Die Evaluation fristet ein Stiefkinddasein und das auch heute noch. Die guten Vorsätze schwinden so schnell im Tagesgeschäft dahin. Dabei zahlt sich gute Evaluation absolut aus: In Form höherer Budgets, besserer Erfolgsbeteiligung, mehr Handlungsspielraum, höherer Anerkennung! Also nur Mut! Geht nicht gibt's nicht.

Die "Barcelona Declaration of Research Principles"

Die europäische AMEC Konferenz zur Evaluation von Kommunikation in Barcelona hat am vergangenen Donnerstag sieben grundsätzliche Prinzipien zur Erfassung und Bewertung von PR-und Öffentlichkeitsarbeit veröffentlicht. In einer basisdemokratischen Abstimmung der anwesenden 150 Delegierten aus 30 Ländern wurden die Grundsätze, die eine Expertenkommission im Vorfeld erarbeitet hatte, mit klaren Mehrheiten verabschiedet.

Grundsatz 1 stellt die Wichtigkeit von Zieldefinition und Evaluation heraus. Ziele sollten so quantitativ wie möglich definiert werden, mit der Angabe WER WAS WANN WELCHEN EFFEKT haben soll.

Grundsatz 2 betont, dass nicht nur Quantität sondern auch Qualität von Effekten berücksichtigt werden sollte.

Grundsatz 3 besagt, dass der Werbeäquivalenzwert NICHT den Wert der PR darstellt. Bei der Umrechnung von redaktionellem Raum in Werbekosten sollten keine willkürlichen Faktoren eingesetzt werden, die nicht fundiert begründet und bewiesen wurden.

Grundsatz 4 stellt heraus, dass Social Media (soziale Netzwerke) gemessen werden können und gemessen werden sollten. Hierfür gelten dieselben Grundsätze wie für klassische Medieninhalte.

Grundsatz 5 fordert die Konzentration auf langfristige Zielgruppeneffekte (Outcome): Meinung, Einstellung, Beziehungen, Reputation sind wichtigere Effekte als der direkte Output (Teilnehmerzahlen, Artikelzahlen, u.ä.). Meinungsforschung sollte von Best-Practice-Beispielen lernen.

Grundsatz 6 besagt, dass - wo möglich - das Erreichen bzw. die kommunikative Unterstützung von Organisationszielen erfasst und dargelegt werden sollte. Der Bezug von Kommunikation zu übergeordneten Organisationszielen sollte dargestellt werden. In diesem Bereich besteht ein großer Bedarf an der Entwicklung von Verfahren, Methoden und Instrumenten.

Grundsatz 7 stellt die Forderung nach größtmöglicher Transparenz und Wiederholbarkeit von PR-Evaluation auf. Erfassung und Bewertung von PR- und Öffentlichkeitsarbeit sollte nachvollziehbar und reliabel geschehen.

Diese Grundsätze werden nun in ihrer Formulierung im Detail ausgefeilt und dazu ruft das IPR zur Teilnahme und Vorschlägen auf: http://www.instituteforpr.org/digest_entry/the_barcelona_declaration_of_research_principles

The first day of 2. AMEC European Measurement Summit in Barcelona, 16.-18.6.2010

The first day of the AMEC Summit is almost over. More than 200 attendants from 30 countries meet and discuss new and old ways of evaluating communication effects in the beautiful city of Barcelona. The presentations of this morning showed the new trends and rules:
  • Communication is managed and planned very professionally and evaluation is well integrated! (At least in the presented case studies!)
  • The "Social Media" revolution has just started: "Compared the French Revolution Marie Antoinette is still sitting having her five o'clock tea," so Fernando Vilà from Havas. Nobody can yet tell where it will take us.
  • Users are much more powerful. Effects and reactions of them cannot be predicted nor controlled. Networking creates influence and power for anybody.
  • Brands and products are losing importance, because differences are vanishing. Companies need to be and act (not only say they are) socially responsible to convince the public and to be recognized.
  • Social media require you to listen, think, talk and thus build up trust in your constituencies. You need to be true about what you say and do.
  • Evaluation does give you real benefit and shows you how to improve and what to change.

PR-Trendmonitor: 3/4 der Unternehmen evaluieren

Der aktuelle PR-Trendmonitor hat ergeben, dass drei Viertel der Unternehmen angeben, zu evaluieren - daran hat sich in den letzten Jahren nichts geändert. Dieser Wert ist erfahrungsgemäß mit Vorsicht zu betrachten - zeigten doch vergangene Trendmonitore, dass fast 90% der evaluierenden Unternehmen das Sammeln der Clippings bereits als Evaluation betrachten. Nun hat newsaktuell dieses Mal danach gefragt, wer denn mit den Ergebnissen seiner PR-Evaluation zufrieden ist: Die Hälfte aller Unternehmen - also zwei Drittel der evaluierenden Gesellschaften - sind der Meinung, dass die Ergebnisse ihrer Evaluation ausreichen, um ihre Geschäftsführung von weiteren Investitionen in die Pressearbeit zu überzeugen. So weit so gut.
Jedoch bleibt ein Viertel aller Unternehmen übrig, die zwar evaluieren, jedoch mit der Überzeugungskraft der Ergebnisse nicht zufrieden sind. Da fragt man sich, warum? Ist die Qualität der Dienstleister zu bemängeln? Fehlen Instrumente oder das Wissen darüber? Oder doch wieder einfach nur das Geld? Für großangelegte Marktforschung scheint kein Geld zur Verfügung zu stehen - geben doch knapp 70% der befragten Unternehmen an, daß - selbst wenn es die Garantie für einen Nachweis der Kausalität von Bekanntheit und Neugeschäft GÄBE - kein oder nur ein verschwindend geringes Budget für Marktforschung durchzusetzen sei. Hm.
Dabei bieten die neuen sozialen Medien - das vielzitierte Web 2.0 - doch erstaunliche Möglichkeiten, die Meinungen von bestimmten Zielgruppen zu erfahren: Social Media Monitoring ist das Schlagwort, nach dem zu googeln ist. Onlinesuchmaschinen bieten reichhaltige Möglichkeiten, Meinungsäußerungen von Öffentlichkeiten zu erfassen:
• Google News http://news.google.de
• Google Blogs http://blogsearch.google.de
• Twitter Search http://search.twitter.com, auch „Advanced Search” möglich, z.B. Einschränkung auf „Deutsch“
• Technorati: http://technorati.com
• Ice Rocket: http://www.icerocket.com
• Twazzup: http://www.twazzup.com
• Newbase Suchmaschine: http://www.infonitor.de
• Social Mention: http://www.socialmention.com (Mit Rating und Keywords, Sprache und anderen Features)
Bisher geschieht das Webmonitoring, das auch klassische Onlinemedien einschließt, überwiegend projektbezogen - so die Ergebnisse des PR-Trendmonitors. Dabei bietet gerade die Einrichtung eines automatischen Feeds eine kontinuierliche Überwachung eines "Issues", sei es des Firmennamens, eines Produktnamens oder des CEOs. Und das völlig kostenlos!

Möglichkeiten gibt es also genug, und sogar für wenig Geld bzw. etwas Zeit! Jetzt muss nur noch der Nutzen von kontinuierlicher Evaluation klar werden! Dann werden vielleicht auch die Ethikdiskussion in der PR-Branche überflüssig - weil professionell gearbeitet wird.

Der PR-Trendmonitor 10/2009 ist online!

Twitterumfrage




Läuft bis Ende September!
Freue mich über rege Beteiligung!
Ergebnisse dann hier!

Evaluation im Web 2.0

Nanett Bier (NB), eine Namensvetterin von mir, studiert an der Universität der Künste in Berlin das Fach "Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation" und stellte mir im Rahmen einer Hausarbeit Fragen zum Thema "Web 2.0 Erfolgsmessung für Public Relations". Hier das Interview:

NB: In einem „Spiegel Online“ Artikel vom 25. Juni 2009 heißt es, dass die „IVW“, Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, die Web-Währung abschaffen will. Demnach haben Page Impressions&Co als Kennzahlen für Werbetreibende oder PR-Spezialisten im Zeitalter von Web 2.0 ausgedient. Wie sehen Sie diese Tatsache?Frau Dr. Besson:
Page Impressions stellen dar, wie oft eine Internetseite angeklickt wurde. Da diese Größe nicht für jede individuelle Seite zur Verfügung gestellt wird, kann keine Aussage getroffen werden, ob ein bestimmter Inhalt gesehen wurde. Die PI-Werte sind meist exorbitant hoch, haben aber kaum Aussagekraft – daher sind sie absolut verzichtbar. Die „Visits“, die laut Spiegel Online von der IVW in Zukunft als Kernkennzahl genommen werden, stellen zumindest die „Zahl der Besuche“ dar, der zusammenhängenden Seitenaufrufe einer IP-Adresse – nicht zu verwechseln mit der Zahl der Personen, da eine Person, die täglich eine Website besucht, im Monat 30 Visits generiert. Aber zumindest ist die Zahl der Visits eine qualifiziertere Kennzahl, die eher eine Aussagekraft besitzt. Für Werbetreibende ist die Zahl der erreichten Individuen relevant, der „Unique Users“. Diese ist in der Praxis jedoch nur lückenhaft zu ermitteln bzw. sie wird nur von wenigen Websitebetreibern veröffentlicht.
Die Zahl der Kontakte bestimmt den Wert einer Werbeanzeige und damit ihren Preis. Die PR-Treibenden nutzen diese Kennzahlen (sowohl Kontakte als auch Werbepreise), um die Reichweite und den Wert von platzierter PR-Berichterstattung zu beziffern. Dabei ist die schlichte Umrechnung von redaktionellem Inhalt in einen Anzeigenpreis ein absoluter Behelfsweg, der z.B. Umstände wie kritische oder besonders überzeugende Berichterstattung nicht berücksichtigt. Daher ist die monetäre Umrechnung immer mit Vorsicht zu betrachten.

NB: Welche Kennzahlen halten Sie für PR-Treibende als Möglichkeit der Erfolgsmessung im Bereich Web 2.0 als angemessen?
Was halten Sie von „Share of Voice/Share of Buzz“-Intensitätsmaßen?
Frau Dr. Besson:
Die Nutzung der reinen Reichweitedaten wie z.B. Visits oder Unique Users ist für PR ein sehr nützlicher Wert, der auch im Zeitalter von Web 2.0 gut zu ermitteln ist: In Netzwerken sind z.B. Kontaktzahlen meist öffentlich (z.B. Twitter-Follower, Facebook-Fans oder YouTube-Videoaufrufe). Allerdings ist die inhaltliche Tendenz dabei immer zu berücksichtigen, damit kritische Kommentare nicht als Erfolg gewertet werden. Im Web 2.0 gibt es eine Anzahl von Monitoringangeboten, z.B. www.socialmention.com, die eine erste einfache Resonanzanalyse ermöglichen. Diese automatischen Analyseprogramme können allerdings nicht zuverlässig Inhalte bewerten, so dass deren Einstufung in objektiv, negativ und positiv ebenfalls nachgeprüft werden muss.
Einen gesamten „Share of voice“ für das Social Web zu erheben wird schwierig sein: Sofern es sich um ein fest einzugrenzendes Themenfeld handelt, kann mit Hilfe von Social Media Monitoring ein erster Überblick generiert werden. Wissenschaftliche Standards erfüllen solche Schnellanalyse natürlich nicht.

NB: Auf Ihrem Blog kommentieren Sie die Ergebnisse des „PR Trendmonitors 2009“: Erschreckend sind die „ehrlichen 11,2%“ PR-Treibenden, die sich zu keiner PR-Erfolgskontrolle bekennen.
Wie wichtig beurteilen Sie die PR-Erfolgskontrolle speziell auf das Web 2.0?
Frau Dr. Besson:
Meinungen von Stakeholdern waren noch nie so einfach zu erfahren: früher musste man Umfragen dafür starten! Das Web 2.0 ist extrem schnell, offen und nicht steuerbar. Für Unternehmen und Organisationen wird das Beobachten von Web 2.0 sehr wichtig, da dort sehr schnell große Meinungstrends in Bewegung geraten können. Da Social Media wie Twitter enorme Zuwachsraten verzeichnen (von April bis Juli hat sich laut FAZ vom 22.8.09 die Zahl der deutschen Twitternutzer auf 2 Mio. verdoppelt), gibt es dort einen riesigen Marktplatz von Meinungen. Diese stellen eine direkte „Wirkung“ von PR dar und sollte auf jeden Fall beobachtet werden – auch wenn ein Großteil der Statements irrelevant sein mag. Die „Spreu vom Weizen“ zu trennen wird die Herausforderung an die Evaluation von Kommunikation in Zukunft sein.

NB: Was für neue Anforderungen stellt das Web 2.0 an PR-Treibende Ihrer Meinung nach?Frau Dr. Besson:
Unternehmen und Organisationen müssen offen informieren und schnell reagieren. Sie müssen ehrliche Bereitschaft beweisen, auf Anregungen und Kritik ihrer Stakeholder zu reagieren. Wenn es den Anschein erweckt, dass ein Unternehmen das Web 2.0 nur als Marketinginstrument benutzen will und Offenheit heuchelt, dann kann das Web 2.0 schnell ein negatives Image erzeugen.

NB: Herzlichen Dank für das Gespräch Frau Dr. Besson

Der Markeneisberg bekommt ein Eigenleben unter Wasser...


Eine interessante Grafik zu Steuerbarkeit bzw. Unkontrollierbarkeit der Marke im Zeitalter von Web 2.0 habe ich bei Converseon gefunden, einem Dienstleister für Social Media Marketing.
Die Grafik zeigt, wie die Steuerungsmöglichkeiten von Marken durch Nutzer generierte Medien schwinden. Meinungsführer kann jeder sein oder werden - er muss nur genug Follower bzw. Feedreader finden! Interessant, wenn man bedenkt, dass das Marketing das Markenmanagement bisher meist für sich beansprucht - man mit Werbung und Marketing im Web 2.0 aber nur begrenzt weiter kommt. Zumal die "Unterwasserwelt" von Begriffen wie Sympathie, Vertrauen und Loyalität bestimmt wird, die sowieso eher von zweikanaliger Kommunikation als von Marketingmaßnahmen beeinflusst werden.


Der "Markeneisberg" ist eine Entwicklung von icon in Nürnberg und stellt den Aufbau einer Marke dar. Literatur dazu: ICON FORSCHUNG & CONSULTING (1998), Brand Status/Brand Trek – Verfahren zur Ermittlung von Markenwert und Markenidentität, Nürnberg.







The importance of being tweetend...

Habe durch meinen "Twilert" zum Begriff "Social Media Monitoring" ein fabulöses Beispiel für die Chancen, die für Unternehmen in Twitter stecken, gelesen: http://tdhurst.com/kabuki/ Blogbeitrag vom 5. August 2009. Wie ein Restaurant innerhalb von Minuten auf die Kritik einer Kundin reagierte, sie sogar noch im Restaurant antraf und ihr eine Alternative zu dem von ihr gewünschten und nicht verfügbaren Getränk anbot.
Es ist, wie die Autorin schildert: fast ein bisschen unheimlich, wie schnell die Feedbackschleife funktionieren kann.
In Anbetracht der Tatsache jedoch, dass im PR-Trendmonitor 4/2009 lediglich 24% der Pressestellen Twitter für eine ernstzunehmende neue Kommunikationsform halten, ist dies ein interessantes Gegenbeispiel. Der Rest der befragten 824 Pressestellen meint entweder, dass "der Unsinn bald vorbei ist" (16%) oder aber dass Twitter "fürs Web wichtig sei, für die PR jedoch unwichtig" (22%). Immerhin geben knapp 40% der Pressestellen ehrlich zu, dass sie keine Ahnung haben, ob Twitter für sie relevant ist oder sein wird. Der beste Start auf dem Weg zur Erkenntnis!
Hier also ein Beispiel, welche Chancen in Twitter stecken: http://tdhurst.com/kabuki/

PREZI zum Thema!