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Yin und Yang: Evaluation und Kommunikations-Controlling - was ist wichtiger?

Ein Repost aus aktuellem Anlass: Hier das KI-Video zur Evaluation.  

Welches Vorgehen sollte zur Analyse eines Events herangezogen werden: Evaluation oder Kommunikations-Controlling? Oder beides? Was macht Sinn? Welches Vorgehen gibt nützlichere Informationen? Ist ein Verfahren besser, wichtiger oder strategisch relevanter?
Hier ein Vergleich anhand der Evaluation eines Events, des örtlichen Martinszuges.

Evaluation

Die Qualität, Effektivität und Effizienz eines Events zeigen sich nicht nur an der Zahl der Teilnehmer. Um die Veranstaltung umfassend zu analysieren und dann zu optimieren, sind wesentlich mehr Informationen notwendig: Planung, Durchführung, produzierte Aktivität sind Bestandteile der Investition. Kurzfristige Zielgruppenresonanz, Medienresonanz und langfristige Phänomene wie Reputation, Beziehungen, wirtschaftlicher oder politischer Erfolg sind Bestandteile des Effekts. Gemeinsam ergeben diese Faktoren eine Gesamtbewertung des Events mit direkten, inhaltlichen Hinweisen auf Verbesserungspotenzial. Die Steuerung und Optimierung des Events wird durch diese strategisch zu planende, kontiuierliche Evaluation ermöglicht.
Das ist die Herangehensweise der Evaluation.

Hier nun konkret der Fall:
Der Martinszug der Gemeinde

1. Die Planung
Die Veranstaltung findet jedes Jahr statt. Sie war aber vor vier Jahren so unbeliebt geworden, dass selbst die örtliche Schule sich weigerte, offiziell und geschlossen daran teilzunehmen. Sie veranstaltete im Folgejahr einen eigenen kleinen Umzug. Da dadurch der Gemeindeumzug kaum mehr Resonanz fand, einigte die Gemeindeverwaltung sich mit der Schule, gemeinsam ein neues Konzept auf die Beine zu stellen. Ein motiviertes Planungsteam traf sich und plante. Der Umzug war ein voller Erfolg. Im Folgejahr nahm die Verwaltung es leicht und meinte, man könne den Umzug einfach 'same procedure as last year' laufen lassen, ohne viel Planung. Es kamen mehr Leute, die recht unzufrieden waren, weil kaum Musik zu hören war. Es war sehr voll und etwas chaotisch. Daraufhin einigte sich das Orgateam mit der Verwaltung für dieses Jahr die Vorbereitung intensiver anzugehen. Die Verwaltung lud bereits im Sommer alle Kinderorganisationen und alle Musiker des Ortes zu einem Vortreffen ein. Und siehe da, wir hatten plötzlich vier feste Musikstationen, die den gesamten Weg des Zuges untermalten. Eine Kindertagesstätte von drei Kitas/Kigas vor Ort sagte zu, geschlossen an dem Martinszug teilzunehmen. Die Grundschule war ebenfalls dabei. Die Vorbereitung lief gut bis kurz vor dem Zug, als die Verwaltung die Kommunikation mit den Beteiligten etwas vernachlässigte. Das Orgateam sprang jedoch ein und sorgte dafür, dass das Pferd wusste, wo es steht, und die Musiker auch.... So war die Planung viel besser als in den Vorjahren, es gibt aber immer noch Verbesserungspotenzial.

2. Die Durchführung
Das Wetter war toll, trocken und nicht so kalt. Die Aufstellung des Zuges klappte so einigermaßen. Die mitlaufende Kita kam spät und musste sich den Weg durch die 260 Schüler bahnen. Das Pferd schien erst sehr nervös, beruhigte sich aber dank einer tollen Führerin. Die Musiker standen erst gegen kurz nach 18 Uhr bereit (Offizieller Beginn war 18 Uhr). Dann ging der Zug los. Das Musikkonzept funktionierte: man hörte immer von vorne oder hinten Martinslieder. Der Weg zum Sportplatz war dunkel, aber trocken. Das Feuer wurde angezündet und die Menge lief wie geplant ganz um den Platz herum, bevor sie sich ans Feuer stellte. Das Band, das die Feuerwehr um das Feuer spannte, war nicht lang genug für den gesamten Kreis.
Gemeinsam wurden Lieder gesungen. Der Bürgermeister sprach von der St. Martin Legende.  Anschließend bekamen alle Kinder ein Martinsmännchen. Fast alle. Die Weckmänner reichten leider nicht. Aber zum Glück gab es Waffeln auf dem Schulhof zu kaufen. Die Leute blieben nach dem Umzug noch eine gute Stunde auf dem Schulhof, tranken Glühwein und unterhielten sich. Der Glühwein und die Waffeln waren dann ausverkauft.
Es gab keine Verletzten oder Unfälle.

3. Der Event
Martinzug der Gemeinde, Kosten ca. 1.000 Euro
Ankündigungen in allen örtlichen Medien, Informationen an alle örtlichen Kinderorganisationen (Kitas, Kigas, Schule), Interne Kommunikation der beteiligten Schule und der Kita
Teilnehmerzahlen: Potenziell mindestens 260 Schüler und 100 Kita-Kinder plus Eltern.Ca. 700 insgesamt.

4. Direkte Zielgruppenresonanz
- eine von drei Kitas vor Ort nahm offiziell teil
- Es kamen mindestens 700 Personen, Tendenz mehr. Genaue Zählungen gab es nicht. Die 500 Martinsmännchen waren sehr schnell vergeben und es fehlten allein für die Schüler 100 Stück.
- Diese 700 Menschen hörten alle die Rede des Bürgermeisters, dem Veranstalter.
- Es nahmen ca. 100 Musiker und Sänger an der Veranstaltung teil, unentgeltlich, von örtlichen Vereinen.
- Die Teilnehmer verblieben bis weit nach 19 Uhr auf dem Schulhof.
- An Feedback war zu hören: "sehr schönes neues Konzept", "fünf Mal dasselbe Lied gehört", "besser Martinsmännchen für die Schüler beiseite legen, damit die auf jeden Fall eins bekommen"

5. Medienresonanz
Die örtlichen Medien berichteten über den Umzug. Das neue Musikkonzept und die beteiligten Gruppierungen wurden erwähnt. Die Rede des Bürgermeisters wurde angesprochen.

6. Reputation
Die Veranstaltung erzeugte eine hohe Emotionalität eng verbunden mit der Person des Bürgermeisters als Ortsoberhaupt und "Sponsor". Das Engagement der örtlichen Vereine stärkte die lokale Identifikation mit dem Ort. Meinungsumfragen zu Ort und Bürgermeister gibt es nicht, daher ist der weitere Effekt schwer zu beziffern. Ein Erfolgsindiz wäre es, wenn nächstes Jahr auch die anderen Kitas sich wieder (nach Jahren der "Abspaltung" vom Gemeindeumzug) diesem zentralen Event anschließen würden. Auch weitere Musiker oder Sänger wären ein Erfolg.

Die Gesamtevaluation des Umzuges kommt zu folgenden Stärken und Schwächen:

Stärken:
viele Besucher, Bürgermeister und Verwaltung als Veranstalter gut präsentiert
viel positives Feedback, Detailkritik nur vereinzelt
funktionierendes Konzept
Integration der Vereine: vier Gruppen ehrenamtlich beteiligt
Schule und eine von drei Kitas offiziell dabei
geringe Kosten versus hoher Reichweite: 1000 Euro gegenüber mind. 700 Teilnehmern plus Zeitungsleser

Schwächen:
Organisation teilweise mit Schwächen
Martinsmännchen nicht ausreichend, Schulkinder haben nicht alle eins bekommen
Alle Musikgruppen spielten dasselbe Lied
Aufstellung teilweise schwierig, keine Stellposten für jede Gruppe
zwei Kitas aus dem Ort (noch) nicht dabei

Die Evaluation zeigt exakt auf, welche Faktoren bereits zufriedenstellend sind und wo noch Verbesserungspotenzial existiert. Der Zusammenhang zwischen Fernziel und Veranstaltung ist sowohl in der Planung zu kontrollieren als auch bei der Kontrolle der langfristigen Effekte. Die Datenerfassung und -auswertung geschieht in strategischem Rahmen mit klarem Ziel: Optimierung der Veranstaltung.

Kommunikations-Controlling

Kommunikations-Controlling geht anders an die Kommunikation heran: Das oberste Ziel der Veranstaltung steht an erster Stelle. Von dort aus werden Stakeholder, Maßnahmen und Zielwerte festgelegt. Die Zielerreichung wird mit Hilfe von Kennzahlen kontrolliert. Mit Hilfe dieser Kennzahlen wird das Projekt im weiteren Verlauf in Richtung höherer Effizienz gesteuert.

Der Martinszug aus der Sicht des Kommunikations-Controllings:
Der Bürgermeister möchte wiedergewählt werden. Der Ort soll wachsen und als familienfreundlich und sympathisch angesehen werden. Zu diesem Zwecke wird ein emotionaler Event geplant, der Tradition und Heimatpflege auf sympathische Weise erleben lässt. Ziel ist es, möglichst viele Eltern mit Kindern zur Teilnahme zu gewinnen, damit sie sehen, wie der Bürgermeister die Heimatqualitäten des Ortes aktiv unterstützt. Dafür werden alle Kinderorganisationen und Musiker des Ortes eingeladen.
Kennzahlen sind: Teilnehmerzahl=400, durchschnittliche Verweildauer=1 Stunde, nur geringfügige Planabweichungen bei der Durchführung. Der Event ist ein Erfolg, wenn diese Kennzahlen erreicht sind. Wenn nicht, dann wird die Kommunikation so gesteuert, dass sie effizienter und erfolgreicher ist.
Das Kommunikations-Controlling umfasst die Planung und Kontrolle des Events.

Fazit

Beide Vorgehensweisen haben ihre Berechtigung und Notwendigkeit. Natürlich wird kein Event aufrecht gehalten, wenn er nicht durch einen höheren Zweck legitimiert wird. Zur täglichen Arbeit bietet die strategische Evaluation direkte Impulse für die Optimierung des Events. Zur Legitimation des Planungsaufwandes dienen das Kommunikations-Controlling oder die abschließende Evaluation. Die Steuerung läuft blind, wenn sie sich nicht der systematischen Evaluation bedient. Kein Mensch weiß sonst, warum eine Kennzahl nicht erreicht wurde.

Vielleicht ist es ein bisschen wie Yin und Yang (http://www.feng-shui.de/einfuehrung/urspruenge/Yin-Yang.htm):

Die Eigenschaften von Yin und Yang:
  • Yin und Yang treten immer gemeinsam auf, niemals isoliert.
  • Yin und Yang befinden sich in einem dauerhaften Zustand von Veränderung und Gleichgewicht.
  • Yin und Yang sind nicht absolut, sondern nur in Relation zueinander zu verstehen.
  • An der Spitze des Yin steigt Yang auf und Yin ab.
  • An der Spitze des Yang steigt Yin auf und Yang ab.
  • Yang und Yin erscheinen als dynamische Paare von Gegensätzen.
  • Yang und Yin verstärken einander, Schicht um Schicht.

DATA SCIENCE - das Yin und Yang der Analyse

 Bildquelle: https://www.pressesprecher.com/nachrichten/kommunikations-controlling-und-evaluation-das-yin-und-yang-der-pr-8475 (c) thinkstock/slovegrove

DATA SCIENCE ist das neue Schlagwort, mit dem auch ich nun wieder an vorderster Front für den Einsatz von intelligenter Analyse kämpfe. Und es umschreibt die Anforderungen soo treffend: Es geht um valide Daten, die reliabel bewertet werden. Wissenschaftliche Gütekriterien lassen grüßen. 

DATA können große oder kleine Datenmengen sein. SCIENCE ist das Expertenwissen, mit dem diese Daten ausgewählt, bewertet und interpretiert werden. Es geht also nicht nur um Big Data, um riesige Mengen digitaler Zugriffsdaten, sondern auch um z. B. feine Stichprobendaten, die qualitativ sehr viele Insights bieten - erst recht in Verbindung mit dem passenden Expertenwissen. Dies Expertenwissen besteht aus Wissen über das Unternehmen und seine Ziele, Stakeholder, Themen, die Branche sowie gesellschaftlichen Trends.

Gerade in Zeiten, in denen wir zunehmend von sämtlichen sozialen Netzwerkdaten ausgeschlossen werden (so Florian Laszlo so erfrischend ehrlich beim Social Media Summit, ab Minute 23), ist die bewusste Auswahl von verfügbaren Daten wichtig. Welche Zahlen und welche Informationen werden erhoben? Daten können auch qualitativ erhoben werden, d. h. inhaltlich oder beschreibend: 

Eine qualitative Analyse z. B. von Videos und Bildern in Instagram Reels oder auf TikTok bietet in Verbindung mit den Likes und einer genauen Betrachtung derer, die Liken, einen erheblichen Mehrwert: Ich erfahre, welche Gestaltungsmerkmale gefallen und ich bekomme Insights über meine "Freunde", meine Zielgruppe. Im Vergleich mit Wettbewerbern ist eine fundierte Bewertung möglich: Was haben wir erreicht? Wo stehen wir im kommunikativen Wettbewerb? 

Eine solche Analyse erzeugt zwar mehr Aufwand als die Analyse digitaler Downloads (wobei diese nur sehr eingeschränkt verfügbar sind) - die Ergebnisse bieten jedoch direkte Hinweise, wie die Kommunikation in Zukunft zu optimieren ist. Dasselbe gilt für TikTok oder Clubhouse: Je weniger Informationen vom Netzbetreiber verfügbar gemacht werden, umso mehr sind wir darauf angewiesen, intelligente Analysekonzepte mit sinnvoll ausgewählten, selbst erhobenen Daten anzuwenden.  SCIENCE halt :-)

Die Digitalisierung bietet eine Flut von Daten. Teilweise sind diese abrufbar, z. B. durch die API von Twitter. Automatisch generierte Daten sind immer mit Verstand zu benutzen: Nicht nur Fakes verwässern das Ergebnis. Die Algorithmen der Netzwerke - die neuen Gatekeeper -  steuern die Anzahl der Aufrufe selbsttätig. Die Kennzahl Impressions kann streng genommen nur bedingt als "Erfolgsindikator" dienen. So wird die "For you-Seite" von TikTok kaum bei zwei Usern identisch sein. Auch die Engagement Rate (ER) ist mit Vorsicht zu genießen, da im Standard nicht zwischen positiven und negativen Kommentaren unterschieden wird. Die ER ist also im Zweifel auch ein Indikator für den Level des Shitstorms.

Natürlich möchte ich nicht alle Kennzahlen verteufeln. Der Werbeqäuivalenzwert wurde auf AMEC Summit anno 2010 auf die "schwarze Liste der PR-Evaluation" gesetzt - ich war selbst dabei und habe für die allerersten Barcelona Prinicples mit abgestimmt. Der Werbeqäuivalenzwert ist ein Behelfswert für die Wertberechnung von kommunikativen Erfolgen. Er hat große Haken und Ösen, und wird trotzdem immer noch in der Praxis eingesetzt - schlicht, weil er handlich ist. Und sicherlich - sofern kontinuierlich hergeleitet - einen Hinweis auf die Entwicklung der Medienresonanz darstellt.

Also dürfen Kennzahlen unperfekt sein - siehe die vielkritisierte Corona-Inzidenz, die vielfach als unzureichend bezeichnet wird - und trotzdem wenigstens einen Hinweis auf die Entwicklung gibt. Es ist nur wichtig, dass für die Gesamtbeurteilung der Lage noch wesentlich mehr Faktoren hinzugezogen werden. Expertenwissen - SCIENCE.

DATA SCIENCE ist ein gutes Schlagwort, das die zwei wichtigsten Faktoren bei der Bewertung komplexer Zusammenhänge auf den Punkt bringt: Das Eine ist nichts wert ohne das Andere - womit ich mal wieder beim YIN und YANG bin. Und dafür stehe ich gerne ein, nach dieser Verbindung zu streben und sie zu generieren - als Director Analytics bei Ketchum Deutschland. 

Und ich freue mich über herausfordernde Anfragen, gern über LinkedIn!



P.S. Nur, damit ich die Unternehmensziele und die Wertschöpfung auch erwähnt habe: Die Verknüpfung der Kommunikationserfolge mit den Unternehmenszielen ist in der PR-Planung zu knüpfen. Die  Werttreiberkette für eine (im Vergleich zum Wettbewerber) erfolgreichen Insta Reels-Kampagne sieht folgendermaßen aus: Positive Resonanz auf kommunizierte Markenwerte erzeugt Stärkung der Markenbindung, Markenbindung stärkt die Bereitschaft, Produkte zu bevorzugen - Kosten für das Marketing sinken - Umsatz & Gewinn steigen.

Schuldig im Sinne der Anklage. Der Tagessatz als monetäre PR-Evaluation im Kommunikations-Controlling?


Bild: Thorben Wengert  / pixelio.de  

Evaluation findet in fast allen Lebensbereichen statt, mal bewerten wir Gutes, mal Schlechtes. Im Falle eines rechtlichen Streitfalles kann es zur Verurteilung zu einer Geldstrafe kommen. Nun ist es manchmal einfach, den Schaden einer Straftat zu bestimmen. Manchmal jedoch liegt die Bestimmung des gerechten Strafmaßes im Ermessen des Betrachters, bzw. des Jurors: eine Beleidigung, eine Nötigung, ein Eingriff in die Privatsphäre sind sehr subjektiv empfundene Schädigungen. Kaum zu quantifizierende Effekte.
Hier treffen wir auf die Analogie zur Kommunikation und ihrer Wirkung!
Was der Verurteilte an Straftat begangen hat, ist das Äquivalent zu der Kommunikationsmaßnahme des PR-Strategen, der ebenfalls einen schwer zu bewertenden Effekt erzielt hat: Was ist die Beleidigung als "Hurensohn" wert, bzw. welche finanzielle Entschädigung müsste dafür gezahlt werden? In Analogie dazu: Was ist ein "Gefällt mir" oder ein positiver Kommentar eines Stakeholders wert, der auf Facebook öffentlich betont, dass das Unternehmen absolut vertrauenswürdig und vorbildhaft ist?
Die Strafprozessordnung hat einen Weg gefunden, um solchen Schaden zu bestimmen und zu quantifizieren: den Tagessatz. Der Tagessatz basiert auf dem täglich zur freien Verfügung stehenden Nettoeinkommen. Also alles, was als "Nicy" zur Verfügung steht - nicht das existentielle Einkommen. Dieser Tagessatz ist für jedes Individuum persönlich festzustellen. Der gut verdienende Banker wird einen sehr unterschiedlichen Tagessatz haben als eine Krankenschwester - dennoch ist der Effekt ein ähnlicher und der Schmerz wollte ähnlich sein, wenn jeder von beiden mit 30 Tagessätzen bestraft wird. Die Anzahl der Tagessätze liegt im Ermessenspielraum des Richters: Auf der Basis von Erfahrungswerten  sind Richtgrößen von Bestrafungen festgelegt. Die Entscheidung für die Höhe der Bestrafung ist durch festgeschriebene Gesetze zu legitimieren.
Jetzt die Analogie: Die Organisation ist der "Täter". Die PR-Abteilung führt die "Straftat" aus, indem sie aktiv kommuniziert. Das "Opfer" wird "geschädigt" durch die Botschaften. Die Kommunikation erzeugt eine Wirkung, .z B. wird das Instagramfoto kommentiert. Jetzt ist die Frage, wie "schwer" das "Vergehen" ist: diese Bewertung ist sicherlich subjektiv, kann sich aber an einer festgelegten Minimal- und Maximal"strafe" orientieren - ganz so wie im Strafrecht.
Der Grad des Engagements bei Zielgruppenresonanz kann und wird bereits von reiner Darbietung, über die Wahrnehmung, ein erzeugtes Signal (z. B. ein "Like"), einen Kommentar bis hin zum "Teilen", dem Weiterempfehlen oder direkten Folgen eines Links unterteilt. Diese unterschiedlichen Reichweiten der Wirkung können mit äquivalenten "Tagessätzen" "bestraft" werden.
Ein Tagessatz wäre für jedes Unternehmen individuell zu berechnen. Die Analogie geht vom täglich verfügbaren Nettoeinkommen aus, das der Bestrafte zahlen muss. Warum also nicht das PR-Budget nehmen und es auf einen Tagessatz herunterrechnen?
Es wäre sogar möglich, Effekte einer oder mehreren Personen zuzuordnen, indem man deren Gehalt umrechnet. Da wird es allerdings schnell datenschutzrechtlich brisant..... da es zu der Frage führt, ob ein Mitarbeiter "sein Geld wert sei". Es steht außer Frage, dass so eine Mitarbeiterbewertung nicht für eine gute Zusammenarbeit förderlich sein wird. Wobei letztlich .... das immer wieder geforderte Kommunikations-Controlling in letzter Konsequenz der Beantwortung genau dieser Frage trachtet.

Quo vadis PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling?

Andreas Hermsdorf  / pixelio.de

Hat niemand bemerkt, dass es anscheinend ziemlich schlecht um das Thema PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling steht?

Ich gestehe ja, dass ich eine Weile mit anderen Dingen beschäftigt war..... die klassische Midlifecrisis, könnte man sagen...... aber IRGENDWEM muss doch aufgefallen sein, dass so gar nichts zu dem Thema stattfindet?

Nein, es finden sich Erfolgsmeldungen von Controllingvereinigungen.... und einzelne Artikel, die mal wieder proklamieren, dass die Bedeutung der Steuerung und Optimierung von Unternehmenskommunikation wächst.
Hm....


Ist niemandem aufgefallen, dass das Thema seine eigene Kategorie sowohl beim DPRG PR-Preis als auch beim PR-Report Award verloren hat?

Auf dem größten Branchentreff Kommunikationskongress verliert das Thema Raum: "Nicht mehr vertreten sind mit Landau Media und Ausschnitt zwei Unternehmen, die dem Kommunikationskongress jahrelang die Treue gehalten haben." Thomas Dillmann im PR Journal

Ganz vereinzelt fallen diese Meldungen auf:



Auf den Bildern von Tagungen sind übersichtlich viele Teilnehmer zu sehen....

Workshops zu dem Thema gibt es schon immer nur übersichtlich wenige .... ich konnte 2017 drei verschiedene finden....

  • http://media-workshop.de/seminare/2449/kommunikationscontrolling_pr_evaluation_und_social_media_monitoring/ 
  • http://www.prt.de/seminare/index.php?ak=inhalt&id=45&termin=25031097
  • http://ik-heidelberg.de/wp-content/uploads/2016/09/OS-Print-PR-Evaluation-2016_09.pdf 

Termine weiß im Moment selbst das Portal communicationcontrolling.de zu vermelden....


Die Konsolidierung von Monitoringunternehmen schreitet weiter unauffällig voran...
Aus dem inhabergeführten, alteingesessenen Ausschnitt wird ARGUS INSIGHT unter Beteiligung eines Schweizer Private Equity Unternehmens....  andere verkaufen ihr "Baby" und machen dann doch selbst als Unterfirmierung eines weiteren Analyseunternehmens weiter (aus Numrichs Blätterwald wird Goldmedia Analytics, Numrich macht aus preceptor.... und bloggt über Süßes....). Commendo hat sich verpartnert. Kantar war ja mal TNS und davor presswatch....

Erschreckend ist auch die Tiefe der Löhne, die für diese eigentlich doch so wichtige Tätigkeit gezahlt wird: Gerade einen Euro über dem Mindestlohn - 9 Euro pro Stunde - bekommt jemand, der die Basis für Berichte zur strategischen Ausrichtung der Unternehmenskommunikation erfasst:



Ja, es ist ein schweres Brot, von der Evaluation zu leben. Aber ich finde es immer noch wert, für das Thema einzustehen! 

Denn schon 1995 hat eine der deutschen PR-Evaluationspioniere Susanne Femers festgestellt: 


.... na, kaum etwas :-)

Kommunikations-Controlling - Alter Wein in neuen Schläuchen?

Kommunikations-Controlling ist was Gutes. Ja. Und es klingt auch extrem wichtig und professionell. Nur leider verstehen es die meisten nicht. Es wird mit Begriffen wie Wertschöpfung und Werttreiber umhergeworfen, ohne zu begreifen, um was es geht: um strategische Planung und Steuerung. Solange das Kommunikations-Controlling in einem Atemzug mit der Evaluation oder sogar als deren Ersatz genannt wird, ist es missverstanden.
Denn eigentlich ist Kommunikations-Controlling nichts anderes als eine professionell durchdachte PR-Konzeption:
Oberstes Ziel ist der Erfolg der Organisation oder des Unternehmens. Daran hat sich die Kommunikation immer zu orientieren. Und jede kleine Pressemitteilung muss sich die Frage gefallen lassen, in welcher Weise sie dazu beiträgt, dem Unternehmen zu nützen. Wie schafft Information Aufklärung? Wie initiiert Kommunikation eine Beziehung zu Stakeholdern? Auf welche Weise bewirkt diese Beziehung, dass das Unternehmen frei und erfolgreich wirtschaften kann?
PR-Konzeptionstechnik ist ganz alter Wein. Nach einer umfassenden Situationsanalyse werden Ziele definiert, Zielgruppen und Botschaften festgelegt und Maßnahmen ausgewählt. Ein detaillierter Maßnahmenplan koordiniert Zeit, Raum, Personal, Budget und eine abschließende Erfolgskontrolle zeigt, ob die Ziele erreicht wurden.
Leider fehlt bei der klassischen PR-Konzeptionslehre zu oft der Hinweis, dass die oberste Aufgabenstellung der Unternehmenserfolg ist. Davon abgeleitet gehört genau dort die Argumentation für Kommunikation hin:  der WERTSCHÖPFUNGSBEITRAG. Er verkettet den Unternehmenserfolg mit der Kommunikation. Was kann die Kommunikation realistischerweise erreichen? Beziehungen zu Stakeholdern aufbauen und pflegen? Bekanntheit schaffen? Sympathien wecken? Interesse wecken? Reputation unterstützen? Absatz fördern???
Diese Aufgabenstellung wird fundiert durch die Situationsanalyse mit SOLL-IST-Vergleich. Damit klar wird, wo wir sind und wo wir sein wollen. Und genau daran anschließend wird weiter gekettet:

  • Unternehmenserfolg
  • Kommunikationsbeitrag
  • zielgruppenspezifische Maßnahmen mit messbaren Zielen
Fertig ist die WERTTREIBERKETTE!

Die Evaluation, die Daten erfasst und bewertet, sollte sowohl die Konzeptionsplanung als auch die Durchführung begleiten. Abschließend wird die Wirkung erfasst und bewertet, die kurzfristige und die langfristige. Dies ist ganz einfach, sofern messbare Ziele definiert wurden (was in der Praxis meist nicht geschieht....). Wenn nicht, dann kann bewertet werden mit Hilfe von Vergleichen mit ähnlichen Maßnahmen, anderen Zeiträumen, den Veranstaltungen von Wettbewerbern oder Expertenurteilen (z. B. Branchenpreisen).

Die gesamten Ergebnisse der Evaluation fließen in die Weiterentwicklung des PR-Konzepts ein: fertig ist die STEUERUNG. 

So einfach kann Kommunikations-Controlling sein. Auch wenn es nicht so sexy klingt.

Wertbeitrag der Kommunikation - Auszug aus dem Praktikerhandbuch "PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling"



"... An diesem Punkt geben sich Evaluation und Kommunikations-Controlling die Hand. Die Verknüpfung von Kommunikationsleistung und unternehmerischem Erfolg schließt die Wirkungskette, die im Rahmen des Kommunikations-Controllings geknüpft wird (siehe Kapitel 7). Diese Wirkungskette ist individuell für jedes Unternehmen zu knüpfen, da je nach Ausrichtung des Geschäfts oder der Tätigkeiten die Kommunikation sehr unterschiedliche Ziele verfolgt.
Der Wertbeitrag der Kommunikation ist ein Punkt, der von Unternehmenscontrollern am liebsten in Eurobeträgen zu ermitteln wäre. Da Kommunikation allerdings viel komplexer funktioniert als die Produktion, ist der Wertbeitrag von Kommunikation kein einzelner Eurobetrag. Es gibt monetäre Bewertungsmöglichkeiten für Kommunikationsleistungen (siehe Kapitel 4.4.2): Werbeäquivalenzwerte, Effizienzberechnungen, sowie Kontaktkosten sind einige davon. Der Vergleich von Tausendkontaktpreisen zwischen PR und Marketing wird erstaunliche Effizienzqualitäten der Kommunikationsarbeit offenlegen. Eine monetäre Berechnung betrachtet jedoch immer nur einen kleinen Ausschnitt der Kommunikationsleistung.
Es gibt umfassende Studien zur Markenbewertung[1]. Diese versuchen einen monetären Wert für die Marke des Unternehmens zu ermitteln. Dabei ist jedoch kaum der Einzelbeitrag der Kommunikation zu ermitteln. Außerdem kommt jeder Dienstleister mit seinem System auf einen anderen Wert, so dass dieser nur als interner Vergleichsmaßstab genommen werden kann.
Die Ansätze zur Reputationsmessung wurden bereits dargestellt. Sie liefern inhaltliche Kriterien, sind nur intern zu vergleichen und natürlich ist ebenfalls kaum eine Einzelwirkung der Kommunikation auszumachen. Zu viele andere Faktoren spielen in diese komplexen Gebilde mit ein. Kennzahlensysteme zum Kommunikations-Controlling leben mit denselben Schwierigkeiten: der finanzielle Ausdruck von Kommunikationserfolg stößt schnell an seine Grenzen.
Eine monetäre Annäherung an eine Kommunikationsbewertung ist das Sparen von Geld durch höhere Effizienz und Prozessoptimierung. Im Rahmen des Managementansatzes „Six Sigma” wird die Prozessoptimierung um ein „Sigma” mit einer zehnprozentigen Steigerung des Netto-Ertrags eines Unternehmens gleichgesetzt. Ein Wertbeitrag kann also auch bedeuten, dass Geld gespart wurde, z. B. durch die Evaluierung und Prozessoptimierung.
Die falsche Verwendung des Begriffes „ROI” („return on investment“) hat sich bereits in der PR-Branche eingeschlichen. Tom Watson und Ansgar Zerfaß deckten dies im European Communication Monitor[2] 2012 auf. Auf dem European Measurement Summit in Dublin 2012 appellierten ebenfalls die Evaluationsexperten aus USA und UK dafür, den ROI nur als finanzielle Originalkennzahl zu verwenden. Oft wird er als reine Erfolgskennzahl genutzt, ohne eine korrekte Herleitung: Return/Investment*100. Die Investition wird unterschiedlich hergleitet (mit/ohne PR-Fixkosten) oder gar nicht in Beziehung gesetzt. Korrekt verwendet stellt der ROI eine Prozentzahl dar.
Über die Verwendung des Begriffs „Value” herrscht noch keine Einigkeit. Don Bartholomew forderte in Dublin die reine Verwendung als Finanzkennzahl im Sinne von Verkaufszahlen, vermiedenen oder gesenkten Kosten, finanzieller Wert eines Kunden. Tim Marklein und Katie Paine hingegen definieren den „Value” als finanzielle oder nichtfinanzielle Kennzahl. Die Autorin schließt sich dieser Haltung an.
Ein Wertbeitrag muss nicht immer monetär sein. Oftmals handelt es sich um Verbreitungszahlen zu Bekanntheit, Beliebtheit, Glaubwürdigkeit, Vertrauen und anderen Werten. Die höchsten Werte sind meist diejenigen, die nicht mit Geld zu tun haben und nicht zu quantifizieren sind. Sympathie, Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind solche Werte. Es gibt keinen einfachen Weg zur monetären Effektberechnung der Kommunikationsleistung. Zudem weisen die neuen sozialen Medien den Weg in die Richtung, dass Meinung für die Kommunikation viel wichtiger ist als Geldwerte. Und da Meinungen (meistens) nicht gekauft werden können, wird es für diese auch keinen Äquivalenzwert geben können. Der einzige Weg wäre, zu untersuchen, wie die Meinungsäußerungen von Multiplikatoren den Absatz eines Unternehmens oder die Spendenbereitschaft für eine Organisation beeinflusst haben. Dies wiederum kann nur durch kontinuierliche Beobachtung und umfassende Analysen geschehen."



[1] Auf www.communicationcontrolling.de unter „Wertschöpfung“ finden sich unterschiedlichste Bewertungssysteme
[2] Jährliche Studie: www.communicationmonitor.eu

Neues Buch zum Thema, von BdP-Preisträgerin Kerstin Thummes: "Ist Kommunikation messbar?"

Endlich ist es lieferbar! Das Buch zu der Diplomarbeit von Kerstin Thummes, für die sie 2008 den Nachwuchspreis des Deutschen Pressesprecherverbandes erhielt!

Ist Kommunikation messbar? - Bestellen Sie hier das Buch von Kerstin Thummes!

Die Rezension zum Buch finden Sie hier!

Kommunikations-Controlling in Theorie und Praxis

Habe bei Recherchen zu dem Buch, das ich gerade schreibe ("PR-Evaluation und Kommunikations-Controlling" für die depak Studienreihe) einen tollen Aufsatz von Michael Bürker und Sabine Baudisch gefunden, aus dem PR Magazin 4/09! Sie sprechen mir aus der Seele: "Nach einer notwendigen Phase der betriebswirtschaftlichen und managementorientierten Auseinandersetzungmit dem Thema Evaluation und Controlling von Unternehmens- beziehungsweise Organisationskommunikation scheint eine Rückbesinnung auf Erkenntnisse und Methoden empirischer Sozialforschung unabdingbar. Sonst bleiben "Erfolgsnachweise" wenig valide: Entscheider können sich nicht darauf verlassen, dass auch tatsächlich gemessen wurde, was gemessen werden sollte. Zuletzt sollte sich die Branche vom Wunsch nach einer zu 100 Prozent berechenbaren Kommunikationsleistung verabschieden. Eine Messung des Beitrags der Kommunikation zum wirtschaftlichen Ergebnis, der eindeutig und im Sinn eines kausalen Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs aus schließlich auf sie zurückgeführt werden kann, ist – zumindest nach wissenschaftlichen Kriterien – nicht möglich. Jedenfalls nicht so schnell und preiswert, wie ihn strategisches und Kommunikationsmanagement für die tägliche Arbeit benötigen. Ihre Entscheidungen bleiben, was Entscheidungen letztlich immer sind:
Operationen unter Risiko.
Bedarf an Kommunikationsmanagern, die empirische Lücken durch Erfahrung und Intuition ausgleichen, wird auch weiterhin bestehen."

"Kommunikations-Controlling in Theorie und Praxis" von Mandy Seidemann


Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise zeigt mit heftiger Brisanz, wie wenig Unternehmenserfolg und -misserfolg mit Kommunikation zu tun haben können: Wenn externe Einflüsse die Bedingungen des wirtschaftlichen Handelns so sehr beeinflussen, ohne dass ein einzelnes Unternehmen eine Chance hat, sich dagegen zu wehren, dann schlägt die Stunde der Wahrheit für das Kommunikations-Controlling. Nun wird sich zeigen, ob die Ursachen-Wirkungskette zwischen Unternehmenserfolg und Kommunikationsleistung mit Bedacht geknüpft wurde, oder ob es nur darum ging, so viel wie möglich „vom Kuchen abzubekommen“ solange die Zeiten gut waren. Die Qualität eines Steuerungssystems zeigt sich darin, ob aufgezeigt werden kann, welche schlimmeren Auswirkungen eine professionelle Kommunikation z.B. verhindern konnte.
Die Qualität von Kommunikations-Controllingsystemen bestimmt, wie gut die Kommunikation repräsentiert wird. Die kontinuierliche Optimierung von diesen Systemen ist daher unerlässlich, um sich nicht anhand von falschen, nicht von der Kommunikation steuerbaren Indikatoren messen lassen zu müssen.

Das gerade im Dr. Besson Fachverlag erschienene Buch von Mandy Seidemann gibt wertvolle Anregungen, auf welche Faktoren es bei der Entwicklung, Implementierung und Optimierung von Systemen zur strategischen Steuerung von Unternehmenskommunikation ankommt. Mandy Seidemann arbeitet dieses Themenfeld leicht verständlich auf und bietet eine interessante Lektüre.

Mandy Seidemann stellt zunächst theoretische Ansätze des Kommunikations-Controllings dar und untersucht dann auf der Basis von zehn qualitativen Experteninterviews, wie „Pioniere“ aus namhaften Unternehmen Kommunikations-Controlling-Systeme entwickelt haben. Sie stellt Unterschiede zwischen Theorie und Praxis heraus und bietet damit wertvolle Informationen für Praktiker, die selbst an der Entwicklung von Controlling-Systemen für die Unternehmenskommunikation arbeiten oder ein bereits implementiertes System verbessern möchten.

Mandy Seidemann hat Medienwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert und promoviert im Fach Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim.


Das Buch kann direkt bei uns per Email bestellt (verlag@pr-evaluation.de) werden (versandkostenfrei). Es ist auch über den Buchhandel erhältlich, für 19,90 Euro unter der ISBN 9783981104622.

Kommunikation ist NICHT messbar!

Kerstin Thummes hat am letzten Donnerstag für ihre Diplomarbeit zum Thema "Ist Kommunikation messbar?" vom deutschen Pressesprecherverband den Nachwuchspreis 2008 verliehen bekommen.
Kerstin Thummes hat ihre Arbeit am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau geschrieben. Die Arbeit ist eine "kommunikationswissenschaftliche Analyse der Quanitfizierbarkeit von Kommunikation und aktueller Ansätze des Kommunikations-Controllings". Ich durfte sie vorab lesen und war begeistert. Endlich mal jemand, der nicht nur erkennt, sondern auch systematisch nachweist, dass Kommunikation nicht einfach als monetärer Wertschöpfungsbeitrag auszurechnen ist! Und dementsprechend die Kennzahlensysteme des Kommunikations-Controllings als wissenschaftlich unhaltbar enttarnt - da sie genau diese Gesamtmessung von Kommunikationswirkungen vermeintlich vornehmen.

Thummes stellt zunächst relevante Definitionen und Theorien zur Kommunikations und ihrer Messbarkeit aus folgenden Wissenschaftsbereichen dar:
  • den Wirtschaftswissenschaften,
  • der Philosophie, 
  • der Physik  (die Medienwissenschaften sind in Ilmenau an der Fakultät für Mathe und Naturwissenschaften angegliedert!), 
  • den Sozialwissenschaften, 
  • der Kommunikationspsychologie und 
  • der Medienwirkungsforschung. 
Nach dieser umfassenden Bestandsaufnahme und einer detaillierten Untersuchung der Kriterien einer Messung der Kommunikationswirkung, der Anforderungen an eine solche Messung und der Einflußfaktoren auf Kommunikationswirkung kommt Thummes zu dem einfachen aber überzeugenden Ergebnis, dass Kommunikation in seiner Ganzheit nicht messbar ist (S. 81). Lediglich in einzelnen Bereichen, z.B. für einzelne Aktivitäten, können auf der Basis von Korrelationsmessungen Ursache-Wirkungsbeziehungen gemessen werden - die allerdings immer mit Wahrscheinlichkeitsaussagen zu relativieren sind (S. 123), da menschliches Verhalten nie 100% kausal und vorhersagbar ist.

Dieser Feststellung folgt die Darstellung der aktuellen Ansätze zur Evaluation und zum Kommunikations-Controlling (Instrumente von Besson, Bruhn, Fombrun, Rolke, Zerfaß, Pfannenberg, GPRA, TNS Infratest, Schuppener, ICOM, BrandControl, etc.). Thummes überprüft jedes Instrument nach den vorher herausgearbeiteten Kriterien für eine Messung der Kommunikationswirkung und überführt die meisten Instrumente der nichtlegitimen Vereinfachung der komplexen Wirkungszusammenhänge von Kommunikation: "Aus der Übertragung dieser Erkenntnisse auf die praxisbezogenen Ansätze zur Erfolgskontrolle von Organisationskommunikation geht schließlich hervor, dass diese insbesondere in Bezug auf die Plausibilität unterstellter Wirkungszusammenhänge teilweise erhebliche Defizite aufweisen" (S. 123).
Auszug aus Thummes Fazit: "Ohne Frage ist die Einigung auf allgemein anerkannte Vergleichsmaßstäbe für Wirkungen der Unternehmenskommunikation im Experten-Diskurs ein schwieriges Unterfangen. Die vorgestellten Ansätze bilden jedoch eine gute Diskussionsgrundlage. Insbesondere Bessons Kennwertsystem wird den besonderen Eigenschaften von Kommunikation durch die Einbeziehung qualitativer Bewertungen gerecht. Als Beispiel zur Definition hoch aggregierter Kenzahlen stellt der Reputation Quotient ein umfassendes und nachprüfbares Konzept vor. Bentele et al. (vgl. 2005: 161) regen daher die Entwicklung eines Indikatorenmodels für die Kommunikationsstärke eines Unternehmens nach dem Vorbild des RQ an. Die Balanced Scorecard ist ein geeignetes Instrument zur ganzheitlichen Betrachtung und strategischen Ausrichtung der Kommunikationsfunktionen für alle Stakeholdergruppen, solange dei zugrunde liegenden Wirkungszusammenhänge durch Korrelationsmessungen belegt und die Grenzen der Messbarkeit von Kommunikation nicht überschritten werden" (S. 122).
Dem habe ich nichts hinzuzufügen :-)
Eine tolle Arbeit, die ich an einem Nachmittag "verschlungen" habe. Sie erscheint demnächst im Verlag des Pressesprecherverbandes.

CCC, CSC, CIS, CVS .. - noch Fragen!?

Heute zur Unterhaltung ein Auszug aus meinem Abkürzungsverzeichnis! PR scheint ein wirklich kreativer Beruf zu sein - in Anbetracht der diversen Bezeichnungen und dazugehörigen Abkürzungen für Kennzahlensysteme, Evaluations- und Controllinginstrumente und Anderes.
Wer dabei nicht völlig die Orientierung verlieren will, dem biete ich in meinem Buch einen Wegweiser durch den Begriffsdschungel. Erscheinungstermin steht noch nicht fest, aber ich beginne bereits mit dem Korrekturlesen!

Abkürzungsverzeichnis (Besson 2008):
AMEC Association for Measurement and Evaluation of Communication
CCC Communication Control Cockpit
CCS Corporate Communications Scorecard
CIS Communication Information System
CIPR Chartered Institute of Public Relations
CSC Communication Scorecard
CVS Communication Value System
DPRG Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V.
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GPRA Gesellschaft Public Relations Agenturen e.V.
ICCO International Communications Consultancy Organisation
ICO International Committee of Public Relations Consultancies Associations
IPR Institute for Public Relations
IPRA International Association for Public Relations Agencies
MCK Mehrdimensionales Kommunikations-Controlling
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Kommunikation schöpft Werte - aber welche?

Was ist Kommunikation wert? Welche Werte schafft und beeinflusst PR? Diese Frage ist direkt verknüpft mit der Frage, wie man den Erfolg der Kommunikation ermittelt und darstellt. Denn Erfolg wird am Grad der Zielerreichung gemessen.

Die DPRG, die deutsche Public Relations Gesellschaft e.V., definiert "Public Relations" als: "Public Relations ist Management von Kommunikation. Public Relations vermittelt Standpunkte und ermöglicht Orientierung, um den politischen, den wirtschaftlichen und den sozialen Handlungsraum von Personen oder Organisationen im Prozess öffentlicher Meinungsbildung zu schaffen und zu sichern. ... Public Relations ist Auftragskommunikation. In der pluralistischen Gesellschaft akzeptiert sie Interessengegensätze. Sie vertritt die Interessen ihrer Auftraggeber im Dialog informativ und wahrheitsgemäß, offen und kompetent. Sie soll Öffentlichkeit herstellen, die Urteilsfähigkeit von Dialoggruppen schärfen, Vertrauen aufbauen und stärken und faire Konfliktkommunikation sichern. Sie vermittelt beiderseits Einsicht und bewirkt Verhaltenskorrekturen. Sie dient damit dem demokratischen Kräftespiel" (http://www.dprg.de/ Unterpunkt Berufsbild).

Es wird sehr deutlich, dass PR zwar interessengeleitet ist, ihre obersten Werte jedoch Offenheit, Wahrheit und Vertrauen sein sollten. PR dient dem Unternehmen oder der Organisation durch die Schaffung eines positiven Meinungsklimas. Auf diese Weise unterstützt die PR ihre Auftraggeber bei ihrer Zielerreichung. PR hat also nicht als oberstes Ziel, Produkte zu verkaufen. Sie hat ein weiter reichendes Aktionsspektrum als nur potenzielle Kunden zu aquirieren - z. B. Protestaktionen abzuwenden oder auch negative Berichterstattung zu vermeiden. Zudem gibt es viele Nonprofit-Organisationen, die nicht den betriebswirtschaftlichen Gewinn als Oberziel haben, sondern Meinungen und Entscheidungen beeinflussen wollen (z.B. Lobbying, Stiftungsarbeit). Wenn also von PR die Rede ist, ist es fraglich, ob die direkte Verknüpfung von Umsatzzahlen zu Kommunikationszielen sinnvoll ist.

Top-Down-Controllingkonzepte verfolgen diesen Ansatz, da sie betriebswirtschaftlich orientiert denken. Die Frage ist, wie sinnvoll sind solche Systeme für die PR-Branche? Bringen die PR-Controller die Sau zum Markt oder zum Schlachter? Sicher steht in wirtschaftlich schweren Zeiten auch die PR auf dem Prüfstand und muss belegen, was sie leistet. Diese Leistung sollte jedoch an den inherenten Zielen der Profession gemessen werden, nicht an Kriterien, die PR nicht steuern kann und will. Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens hängt von sehr vielen Faktoren ab, die nicht im entferntesten ewas mit PR zu tun haben. Wenn die Unternehmenskommunikation sich den Wirtschaftserfolg auf die eigene Fahne schreibt, dann muss sie auch für den Misserfolg einstehen, wenn Produktqualität, Vertriebsorganisation oder Managementfehler das betriebswirtschaftliche Ergebnis beeinträchtigen. Obwohl gute Kommunikation gerade in schweren Zeiten als immenser Mehrwert für Unternehmen und Organisationen betrachtet werden kann - und sollte.
Ist es also nicht sinnvoller, Bewertungssysteme so aufzubauen, dass sie Qualität und Effektivität der Arbeit erfassen? PR ist steuerbar anhand von Faktoren wie Planung, Prozesskontrolle und Effektivitätsnachweis (Konzeptions-, Prozessevaluation, instrumenteller Evaluation und Einstellungsevaluation). Wenn für diese Faktoren Kriterien gefunden werden, die kontinuierlich erfasst und bewertet werden, dann wird im Anschluss der gesamte Prozess steuer- und kontrollierbar - in dem Rahmen, in dem PR steuerbar ist. Denn gesellschaftlicher Wertewandel ist nicht von einzelnen PR-Programmen zu steuern, genauso wenig wie Umsatzzahlen.

Und ist es nicht mehr Wert, eine gute Beziehung aufzubauen, als einen One-Night-Stand zu erzielen (durch den Verkauf eines Produktes)?

„Wash & Go!“ oder lieber Shampoo und Spülung einzeln?

Es gibt zwei grundverschiedene Ansätze zur Erfassung, Bewertung und Kontrolle von PR- und Öffentlichkeitsarbeit: Der eine Ansatz beginnt "oben" bei den Unternehmenszielen zur Wertschöpfung, bricht diese zu Kommunikationszielen herunter und integriert die komplette Planung in die Kennzahlenbildung. Am Ende dieses Ansatzes wird die Zielerreichung kontrolliert und dann geht der Kreislauf von vorne los. Das nennt sich Kommunikationscontrolling, ein "TOP-DOWN-Ansatz".

Der andere Ansatz schaut sich zunächst den Prozess von "unten" an, erfasst und analysiert die Prozessbestandteile - Planung, Durchführung und Wirkung - mit Hilfe von standardisierten Kennwerten und ermöglicht dann eine Kontrolle und Optimierung des Prozesses und damit eine Steigerung der Unternehmenseffizienz und des Unternehmenserfolgs. Das ist die strategische PR-Evaluation.

Beide Ansätze verstehen die Unternehmenskommunikation (hier synonym mit PR- und Öffentlichkeitsarbeit) als Managementfunktion. Die Verknüpfung von Unternehmenszielen mit Kommunikationszielen ist in beiden Philosophien vorhanden. Beim strategischen Kommunikationscontrolling wird diese Verknüpfung beim Festlegen der Zielwerte vorgenommen und damit im Controllingprozess verankert. Die Planung der Kommunikation ist inherent ein Steuerungsvorgang. Bei der Evaluation hingegen läuft der Managementprozess der PR- und Öffentlichkeitsarbeit parallel zur Erfassung, Bewertung und Kontrolle: Nachdem die PR-Konzeption erstellt wurde, wird geprüft, ob sie den Qualitätskriterien genügt. Eines dieser Qualitätskriterien ist die Kontrolle, ob das Kommunikationsprogramm den Unternehmenszielen nützt.

Exkurs PR-Konzeption: Bei der Erstellung einer PR-Konzeption (vgl. "Wie PR-Profis Konzeptionen erstellen", Dörrbecker 1999) stellen die Unternehmensziele den Ausgangspunkt der Situationsanalyse dar. In direkter Verknüpfung mit diesen Zielen und der erweiterten Analyse der Situation des Unternehmens (z.B. kritisches Umfeld, besondere Themen) wird in der PR-Konzeption eine Aufgabenstellung formuliert. Diese wird in meßbare Ziele transferiert und einzelnen Zielgruppen zugeschrieben. Für jede Zielgruppen werden Botschaften festgelegt und passende Maßnahmen geplant. Nach deren Durchführung findet die Erfolgskontrolle statt. Wurden die festgelegten Kommunikationsziele erreicht, so fand automatisch auch eine Unterstützung der Unternehmensziele statt, da dieser Zusammenhang bereits in der Planungsphase sichergestellt wurde.

Fazit: Wenn die PR-Konzeption korrekt geplant wurde, liegt der Wertschöpfungsbeitrag der Kommunikation automatisch vor. Die Frage ist nur, wie detailliert der Zusammenhang von Unternehmenserfolg und Kommunikationszielen bei der PR-Planung hergestellt wurde.

Es bleibt also eine Frage der Vorliebe: Möchte der Kommunikationsverantwortliche die Planung und Steuerung in einer Hand kombinieren ("Wash&Go!") oder lieber Planung und Bewertung getrennt und parallel betreiben ('Shampoo und Spülung einzeln').

In der Realität sieht es im Moment eher nach gepflegtem Haar durch regelmäßiges Waschen aber seltenes Spülen aus...

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