Strategische Krisenevaluation
Krisenmanagement besteht nicht nur aus der
Bewältigung des tatsächlichen Krisenvorfalls, z. B.
einem Störfall im Werk oder dem Absturz
eines Flugzeugs. Zur
Bewertung von Krisenkommunikation sollten daher
nicht nur die Quantität und Qualität der
Kommunikationsmaßnahmen, sondern der gesamte Managementprozess
erfasst und bewertet werden. Nur auf diese Weise kann ein umfassendes
Bild der Krise gezeichnet werden. Diese Vorgehensweise ermöglicht
eine detaillierte Ursachenforschung, auf deren Basis das
Krisenmanagement und die Krisenkommunikation in Zukunft optimiert
werden können (PR-Magazin-Artikel dazu steht Bereich Aufsätze
zum Download).
Im Krisenfall ist eine kontinuierliche Evaluation, wie
sie in der Normalsituation stattfinden sollte, kaum denkbar. Sofern
Evaluationsinstrumente implementiert sind (z. B. Medienbeobachtung),
laufen diese natürlich weiter und erfassen wertvolle Informationen
zum Krisenverlauf. Andere Informationen können hingegen nur
sporadisch gesammelt werden, da in der akuten Krisensituation alle
Ressourcen und Aktivitäten mit der Krisenbewältigung
beschäftigt sind. Ebbt die Krise jedoch ab, so ist der Zeitpunkt
gekommen, an dem das Kommunikationsteam sich mit der Analyse der Krise
beschäftigen kann und sollte. Denn aus jeder Krise können
wertvolle Hinweise auf die Optimierung der Kommunikation gezogen
werden, damit auf solche Situationen in der Zukunft besser reagiert
wird. Das funktioniert aber nur, wenn die Situation eingehend
beschrieben und analysiert wird.

Das Krisenmanagement verläuft parallel zum
normalen
Kommunikationsprozess – wie eine Zweitwelt, die nur im Ausnahmefall
aktiviert wird; in der Praxis z. B. in Form eines eigenen Raumes
für
den Krisenstab. Die Evaluation der Krise findet abschließend
statt. Sie
erfasst jedoch sämtliche relevanten Aspekte des Krisenprozesses.
Die Kombination der Vorstellungen von Krisen,
Krisenmanagement und
strategischer Evaluation resultiert in einem neuen Verständnis von
Krisenevaluation: "Strategische Krisenevaluation ist die
abschließende
quantitative und qualitative Erfassung und Bewertung des gesamten
Krisenmanagements, von der Prävention über die Prozesse und
Krisenbewältigung bis hin zum Krisenresultat."
Die Krisenperformance-Analyse
Krisenevaluation ist die Erfassung und Bewertung der
erfolgsrelevanten Faktoren des Krisenprozesses. Dafür stellt sich
die Frage, welche Prozessfaktoren den Verlauf und den Ausgang einer
Krise beeinflussen. Diese Faktoren sind nur zum Teil durch das
Management zu steuern. Sie relativieren aber den Erfolg des
Krisenmanagements und sind daher in die Gesamtbetrachtung zu
integrieren. Ausgangspunkt dieser Analyse ist der Prozess des
Krisenmanagements, der in seine Einzelteile zerlegt wird:
-
Prävention, Prozesse und Krisenbewältigung
als Faktoren der Investition ins Krisenmanagement,
-
der Krisenfall und die Auswirkungen der Krise als
Effekt des Ganzen. Die Auswirkungen sind unterteilt in
Veränderungen der Reputation des Unternehmens, in
Managementveränderungen und in die wirtschaftlichen Kosten der
Krise.
Diese Bestandteile summieren sich auf zur
Gesamtbetrachtung einer Krise. Die Krisenkommunikation ist Bestandteil
der Krisenbewältigung. Zu jedem dieser Faktoren gibt es
Qualitätsmaßstäbe, die in der einschlägigen
Literatur eingehend aufzeichnet und behandelt werden. Für die
Evaluation der Krise ist jeweils die Frage zu stellen, ob und in
welcher Qualität dieses Kriterium Berücksichtigung findet.
In der Krisenperformance-Analyse fließen alle
gesammelten Informationen zur Krise und zum Krisenmanagement zusammen.
Die Datenverdichtung geschieht in erster Linie qualitativ, da kaum
quantitative Daten zur Verfügung stehen. Es ist eine wesentliche
Eigenschaft der Performance-Analyse, dass auf eine Quantifizierung der
Informationen verzichtet wird und qualitative Bewertungen in Textform
zugelassen sind. Ziel ist es, die Stärken und Schwächen
herauszuarbeiten und hervorzuheben. Diese Stärken- und
Schwächenanalyse bietet dann direkte Handlungsempfehlungen, wie
das Krisenmanagement in Zukunft zu optimieren ist.

Es werden zu jedem Prozessbestandteil – Prävention, Prozesse,
Krisenbewältigung, Krisenfall, Reputation,
Managementveränderungen und wirtschaftlichem Effekt –
zusammenfassende Statements mit Hinweis auf besonders herausragende
Vorkommnisse formuliert. Im nächsten Schritt wird eine Kernaussage
zur gesamten Investition ins Krisenmanagement und zum gesamten Effekt
der Krise formuliert. Durch die Gegenüberstellung dieser Aussagen
kann eine Gesamtbeurteilung des Krisenmanagements entstehen: die
Krisenperformance. Diese Aussage zur Krisenperformance stellt eine mit
allen Faktoren des Prozesses relativierte Beurteilung dar: So
relativieren z. B. Schwächen in der Krisenprävention,
Mängel bei der Ressourcenverteilung oder die Schwere des
Krisenfalls den Erfolg der Krisenkommunikation und der
Krisenmaßnahmen.
Kerngedanke dieser Systematik ist es, die Krise umfassend und
ganzheitlich darzustellen und zu bewerten. Eine Krise ist nicht nur
anhand der veröffentlichten Medienbeiträge zu evaluieren,
sondern in ihrer Gesamtheit, d.h. das komplette Krisenmanagement sollte
Bestandteil der abschließenden Analyse sein. Nur auf diese Weise
entsteht ein detailliertes Bild über den gesamten Verlauf und es
kann konkrete Ursachenforschung betrieben werden. Die identifizierten
Ursachen für Erfolg oder Misserfolg in der Krise dienen zur
Optimierung der „Normalsituation“ (in Form der Veränderungen, die
der Krise eventuell folgen) und zur Verbesserung des Krisenmanagements
(in Form von Anpassung der Prävention). Denn die nächste
Krise kommt bestimmt!
Die Applikation dieser Systematik bieten wir mit Hilfe
interaktiver Methodik (Metaplan-Workshop, MiniMetaplan-Technik,
Excel-Templates) an, Infos dazu unter SERVICES Krisenperformance.
Projektmanagement für die Krisenevaluation
Die Zerlegung des gesamten Krisenprozesses in seine
Einzelteile ist die Voraussetzung für die Erfassung und Bewertung
der Krise. Die Sammlung von Informationen zu jedem Prozessteil stellt
im Unternehmen eine gewisse Herausforderung dar. Zum Einen sind die
Informationen nicht immer leicht zu finden, zum Anderen stellt diese
Sammlung bereits einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand dar –
einer der Hinderungsgründe für die Krisenevaluation: Nach
einer überstandenen Krise ist es doch in der Praxis das
primäre Ziel, die laufende Kommunikationsarbeit wieder aufzunehmen
und den Normalzustand schnell wieder herzustellen. Daher ist es
unumgänglich, für die Analyse der Krise eigens eine Person zu
bestimmen, die die Datensammlung organisiert und die Zusammenfassung
der Informationen überwacht. Die Krisenevaluation braucht einen
Projektrahmen: einen Plan, einen Manager, ein Instrument und ein
Berichtwesen.

Nanette Besson hat dies umfassende Konzept zur
systematischen Erfassung und Bewertung von Krisen und Krisenmanagement
entwickelt. Es wird im Dezember 2007 in den gelben Seiten des PR
Magazins vorgestellt. Gleichzeitig erscheint ein ähnlicher Artikel
im Sammelband "Krisenmanagement in der Mediengesellschaft".
Zur praktischen Anwendung dieser Applikation mehr Infos unter SERVICES
Krisenperformance.
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